Der Skandal um illegale Recherchemethoden bei Medien des Konzerns News International zieht immer weitere Kreise. Mit der Zeitung "The Times" ist nun erstmals ein Qualitätsblatt des Unternehmens von Medienmogul Rupert Murdoch in die Kritik geraten. Die Zeitung habe zugegeben, dass einer ihrer Reporter versucht habe, sich Zugang zu vertraulichen Daten zu verschaffen, sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson unter Berufung auf Scotland Yard. Betroffen war im konkreten Fall ein Polizei-Blogger. Der Reporter habe die Zeitung inzwischen verlassen, schrieb "Times"- Chefredaktor James Harding in einem Brief an den richterlichen Ausschuss zur Untersuchung der Murdoch-Affäre.
"Als der Reporter seine Vorgesetzten informierte, dass er sich im Zuge seiner Recherchen auf eigene Initiative nicht autorisierten Zugang zu einem E-Mail- Konto verschaffen wollte, wurde ihm gesagt, dass er legitime Mittel anwenden soll, wenn er die Story weiterverfolgen will", heisst es in dem Schreiben. Bereits am vergangenen Samstag waren vier Journalisten der Boulevardzeitung "Sun" wegen des Verdachts illegaler Zahlungen an die Polizei festgenommen worden, darunter der aktuelle Nachrichtenchef, ein Abteilungsleiter sowie zwei frühere Führungskräfte, wie der "Guardian" berichtete. Eine Anklage gibt es jedoch bisher nicht, die Festgenommenen wurden auf Kaution freigelassen.
Die Murdoch-Affäre war bei der Boulevardzeitung "News of the World" ausgebrochen. Nachdem im vergangenen Frühjahr immer mehr Details über illegale Abhörmethoden bekanntgeworden waren, stellte Murdoch das traditionsreiche Sonntagsblatt ein. Hochrangige Manager der Zeitungsholding News International, darunter Verlagschefin Rebekah Brooks, wurden vorübergehend festgenommen und verloren ihre Jobs. (sda)