Auf dem Weg in die Schweiz

Christoph Hämmig - Abschied von Japan fällt trotz Katastrophe schwer.

Der Schweizer Christoph Hämmig erlebte die Katastrophe in Japan zusammen mit seiner Frau Akiko in Shiki ("persoenlich.com" berichtete). Am Dienstagmittag konnten sie am Flughafen Narita den Flieger Richtung Schweiz besteigen. Zur aktuellen Situation vor Ort und über sein Befinden sprach Christoph Hämmig kurz vor Abflug mit "persoenlich.com". Zum Interview:

Christoph Hämmig, Sie können das Krisengebiet verlassen. Sind Sie erleichtert?

Ja und nein. Einerseits hoffe ich, bald wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben. Die letzten Tage waren sehr besorgniserregend und hart. Auf der anderen Seite fällt es mir unglaublich schwer, die Familienangehörigen meiner Frau und all die anderen Einwohner von Japan in der Katastrophe zurück zu lassen. Ich fühle mich schlecht, weil ich nicht hier bleibe und helfe.

Wollten sich die anderen Familienangehörigen nicht mit Ihnen in Sicherheit bringen und mitfliegen?

Darüber haben wir viel diskutiert. Die Antwort lautet schliesslich nein. Die Japaner sind extrem tapfer. Sie schauen vorwärts und machen das Beste aus der Situation. Davonlaufen ist für sie keine Alternative. Bei uns wäre längst Panik ausgebrochen. Doch sie beherrschen sich und tun alles, um zurück zu finden in den Alltag. Meine Schwiegermutter wollte heute unbedingt wieder zur Arbeit. Dafür nahm sie grosse Wegstrapazen zu Fuss auf sich.

Wie kamen Sie an den Flughafen? Es heisst, die Verkehrswege und der öffentliche Verkehr funktionierten noch immer nicht gut.

Das stimmt. Es herrscht ein Chaos. Es stehen Autos kreuz und quer - alle versuchen Benzin zu ergattern und verstopfen so die Stasse. Wir wollten zuerst mit dem Zug gehen, doch dann fuhr er doch nicht. Später erwischten wir einen anderen. Es war sehr stressig und ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Aber nun sind wir am Flughafen und hoffentlich schon bald wieder in der Schweiz.

Wie erfährt man, welche Züge fahren und welche nicht?

Es gibt viele Sonderzüge. Da all ihre Abfahrtszeiten nicht mehr auf den Anzeigetafeln Platz haben, werden sie auf grosse Plakate geschrieben. Die Leute fotografieren diese mit ihren Handys. Sie wissen dann auch von zu Hause aus, wann sie möglicherweise einen Zug erwischen können.

Und wie geht es am Flughafen zu und her?

Auch hier wieder: Alles ganz gesittet und ruhig. Man merkt nicht, dass das Land in einer riesigen Katastrophe steckt. Alle machen ihren Job.

Interview: Christine Schnyder