Auf den Spuren des Reporters Ralph Donghi

Blick - Ein Jahr nach dem Fall Rupperswil hat die «Zeit» mit einem Angehörigen über seine Erfahrungen mit dem Boulevard-Journalisten gesprochen. «Da standen Dinge, über die wir nicht einmal gesprochen hatten», sagt er. Der «Blick» will die Recherche nicht kommentieren.

von Michèle Widmer

«Er legte mir Sätze in den Mund, die ich nie gesagt hatte», sagt Mirco Metger gegenüber der Schweizer Ausgabe der «Zeit» (online nicht verfügbar). Und der Angehörige der Opfer des Vierfachmords in Rupperswil im letzten Dezember fügt an: «Da standen Dinge, über die wir nicht einmal gesprochen hatten». Metger spricht über Ralph Donghi, der als Reporter beim «Blick»-Büro Mittelland arbeitet.

In einer ausführlichen Recherche zeigt die «Zeit»-Redaktorin Sarah Jäggi auf, wie Donghi als Boulevard-Journalist vorgeht. Der 43-Jährige – der «gefürchtetste Kriminalreporter der Schweiz» – sei oft als erster vor Ort, wenn im Schweizer Mittelland ein Unglück oder ein Verbrechen geschehe. Sein hinterhältiger Journalisten-Trick sei: Entweder du redest oder ich schreibe über dich. Und zwar irgendetwas. Immer wieder fahre er bei mutmasslichen Quellen vor. «Wenn ich ihm ein Interview geben würde», so erzählt Metger der «Zeit» weiter, «dann würde er mich nachher in Ruhe lassen.»


Für den Artikel hat Jäggi mit Polizisten, Richtern, Anwälten, Spitalangestellten und Behörden gesprochen, wie sie schreibt. Alle wollten öffentlich nicht darüber reden, was sie zuvor hinter vorgehaltener Hand erzählt hätten.

Donghi selbst will sich gegenüber der Journalistin nicht äussern. Ein vereinbartes Treffen sagte er später wieder ab. Auch Ringier und die «Blick»-Chefredaktion verzichteten auf eine Stelllungnahme. Gegenüber persoenlich.com begründet Ringier-Sprecher Edi Estermann dies wie folgt: «Form und Inhalt der Anfrage der ‹Zeit› hat uns klar aufgezeigt, dass die Meinung hier bereits gemacht war.» Deshalb werde man auch weiterhin auf eine Stellungnahme verzichten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Arbeitsweise von Donghi in den Fokus rückt. Ende August sorgte das Musikvideo «Nur din Job» von Heinz de Specht für Wirbel. Darin kritisierte das Künstlertrio die Vorgehensweise von «Blick»-Journalisten – allen voran Donghi, der als einziger ohne Zensurbalken zu sehen war.