Das Rennen um die US-Präsidentschaft hat bisher vor allem zu einem medialen Schlagabtausch geführt. Während die Demokraten auf neuere Technologien setzen, welche ihnen den Zugang zur Basis erleichtern, ziehen die Republikaner traditionellere Kommunikationswege vor.
Das Fernsehen spiele bei dieser Kampagne eine wichtigere Rolle als vor vier Jahren, erklärt der Politologe Louis Perron gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Perron begleitete in verschiedenen Ländern politische Kampagnen als Berater, so auch jene des Demokraten John Kerry bei den US-Wahlen 2004. Für Perron spielt der Zugang zu den verschiedenen Medien eine Rolle: "Man entscheidet sich bewusst, eine Internetseite anzuklicken. Das Fernsehen hat einen viel aufdringlicheren Zug", erklärt der Politologe während des Parteitags der Republikaner. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney setzt laut Perron klar auf das Fernsehen, um möglichst viele Leute zu erreichen und bekannter zu werden. Amtsinhaber Barack Obama muss nach vier Jahren vor allem seine Wählerschaft mobilisieren. Seine Basis erreicht er über die digitalen Medien.
Der echte Wendepunkt hin zu den digitalen Medien lag für Sébastien Salerno bei den US-Wahlen vor vier Jahren. "Heute ist das Medienangebot bedeutend gemischter", erklärt Salerno, der an der Universität Genf zum Thema Soziologie der Kommunikation lehrt. Was die jetzige Wahl-Kampagne vor allem von früheren unterscheide, sei die Vielzahl der Medienträger. Dazu gehörten traditionelle wie das Fernsehen, die Zeitungen und das Radio, wie auch die digitalen. "Zudem gibt es einen Trend hin zu einer Vermischung" der verschiedenen Medien, sagt Salerno. So würden ja viele Zeitungen auch Internetseiten betreiben. Auch das digitale Angebot sei breiter geworden. Dabei streicht Salerno die Internetplattform "Reddit" heraus: Obama antwortet dort direkt auf Fragen von Bürgerinnen und Bürger - ohne "den Journalisten als Mittelsmann".
Während viel Geld in den Medienauftritt gesteckt wurde, bedauert der Politologe Daniel Warner den mangelnden Inhalt der Reden. Der Wahl-Kampagne in den USA fehle es "grausam an Leidenschaft". In der Medienschlacht seien die Reden bisher negativ geprägt und stark auf die Persönlichkeiten der Kandidaten ausgerichtet gewesen. So umgingen die Kandidaten die eigentlichen Probleme der Amerikaner, befindet Warner. Deshalb habe die Bevölkerung bisher Mühe, sich für die Wahlen zu erwärmen. Zu wünschen übrig liessen in den Augen des in Genf lehrenden Politologen auch die Wahlprogramme. Warner hofft, dass die Kampagne nach Abschluss der beiden Parteitage "etwas ernsthafter wird".
Die nächsten entscheidenden Ereignisse werden aus medialer und politischer Sicht die Fernseh-Debatten der beiden Kandidaten im Oktober sein. Vor vier Jahren waren die Streitgespräche von mehr als 50 Millionen US-Amerikanern verfolgt worden. (sda/dpa)