Das "Wall Street Journal Europa" (WSJE) hat mit unlauteren Mitteln seine Auflagenhöhe manipuliert und damit Werbekunden getäuscht, wie der "Guardian" berichtet. Das WSJE hatte schon länger kontroverse Methoden zur Auflagensteigerung verwendet. Seit Ende 2010 soll die Zeitung aber über ein kompliziertes Schema im grossen Stil ihre eigenen Druckerzeugnisse gekauft haben. Der Herausgeber des WSJE, Andrew Langhoff, ist am Dienstag zurückgetreten.
Unheiliger Kreislauf
Schon seit 2008 hat das WSJE Firmen dazu gebracht, als Gegenleistung für Werbeeinschaltungen grosse Mengen der renommierten Zeitung zu kaufen und zwar zu lächerlich geringen Beträgen von einem Penny pro Ausgabe. Dieses System wurde trotz der schiefen Optik von den Behörden legitimiert. Im Jahr 2010 war das Schema schon für 41 Prozent der täglich verkauften Auflage von 75'000 Stück des WSJE verantwortlich.
Als Executive Learning Partnership (ELP), eine grosse niederländische Firma, die alleine für 16 Prozent der verkauften Auflage verantwortlich war, aussteigen wollte, bot die Qualitätszeitung sogar redaktionelle Werbeinhalte an, die dann auch geliefert wurden. ELP stieg aber schliesslich doch aus dem Deal aus. Ein Einbruch der verkauften Auflage um 16 Prozent hätte sowohl Leser als auch die Werbekunden in die Flucht geschlagen und so den Umsatz des WSJE dezimiert. Um das zu vermeiden, ersann Herausgeber Langhoff einen Plan. Über ein komplexes Netzwerk an Firmen liess er Geld vom WSJE zu ELP schaffen, damit die Firma weiterhin grosse Mengen an Zeitungen abnehmen sollte. Seit Ende 2010 kaufte das WSJE also mit Hilfe von ELP seine eigenen Bestände auf. Die Firmen, die Langhoff als Kanäle für das Geld verwendete, sollen nichts von den üblen Machenschaften gewusst haben.
Hochrangige Mitwisser
Obwohl der Skandal nur die europäische Ausgabe des WSJ betrifft, zieht der Skandal auch jenseits des Atlantiks seine Kreise. Schon vor einem Jahr soll ein Whistleblower aus den eigenen Reihen Les Hinton, die ehemalige rechte Hand von Rupert Murdoch, in New York informiert haben. Murdochs Medienimperium Newscorp ist der Mutterkonzern des WSJ. Die Konzernführung sah darin aber augenscheinlich keinen Anlass zum Handeln. Nachdem Murdoch schon durch Abhörskandale bei anderen konzerneignen Medien unter Druck geriet, wird dieser neue Skandal die News-Corp-Stakeholder noch weiter erzürnen. (pte)