Auflagezahlen 1994 und 1995 gefälscht

Giornale del Popolo - CVP-Ständerat Filippo Lombardi legt Geständnis ab.

Beim Tessiner Kurienblatt Giornale del Popolo sind die Auflagezahlen 1994 und 1995 gefälscht worden. Dies hat der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi, der damals Chefredaktor des Blattes war, am Montag der Staatsanwaltschaft gestanden. Die Auflage des Giornale sei um rund 2000 Exemplare beschönigt worden, schrieb Lombardi am Montagnachmittag in einem Communiqué. Er begründet dies damit, dass das Blatt damals wegen der "extremen Konkurrenz" keine Auflagenverluste habe bekannt geben wollen.

Mit zehn Jahren Distanz beurteilt Lombardi dieses Vorgehen als "völlig unnötig und absurd". Zur Entlastung der involvierten Mitarbeiter übernimmt er "die Verantwortung für die Fehler". Diese seien nicht aus persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen erfolgt, sondern aus der Annahme heraus, die Zeitung und die 50 Arbeitsplätze nur dadurch retten zu können.

Die Ursachen der Krise ortet Lombardi im Jahr 1992, als sich die beiden Zeitungen Dovere und Eco di Locarno zur La Regione zusammentaten. Die Anzeigenagentur Publicitas habe dem Giornale del Popolo damals ein rasches Ende prophezeit, weil es im Tessin nur Platz für zwei Tageszeitungen -- die neu entstandene Regione und den Corriere -- gebe. Das Giornale habe auf diese Prognose mit einer kämpferischen Werbekampage reagiert. Damit habe man 1993 eine reelle Erhöhung der Auflage um 1700 Exemplare erreicht. Danach hätten aber die Mittel gefehlt, um weiterhin einen solchen Aufwand betreiben zu können. In der Folge sank die Auflage wieder. Dazu kam, dass sich der Gesundheitszustand des Verlegers ständig verschlechterte (Bischof Eugenio Corecco verstarb schliesslich im März 1995). In der Hoffnung, bald wieder Geld für PR-Aktionen zu bekommen, habe man beim Giornale beschlossen, "die Verluste momentan zu decken", wie sich Lombardi in seinem Communiqué ausdrückt.

Für die Wemf-Beglaubigungen vom März 1994 und 1995 wurden nie verteilte Probeexemplare sowie Exemplare mitgezählt, die den italienischen Kiosken hätten zugestellt werden sollen, aber nie geliefert wurden. So wurde die beglaubigte Auflage laut Lombardi um etwa tausend Exemplare im ersten und um weitere tausend im zweiten Jahr geschönt. Von den gefälschten Auflagenzahlen wussten Lombardi und sein direkter Vorgesetzter, der Delegierte des Verwaltungsrates, nicht aber der Verleger. Enthüllt wurde der Skandal Mitte März dieses Jahres von der Satirezeitschrift il Diavolo. Staatsanwältin Maria Galliani eröffnete daraufhin eine Voruntersuchung. Ob es nun zu einem Strafverfahren gegen Lombardi kommt, steht noch nicht fest.