Aufregung im Aargau wegen Umfrage

Roger Schawinski - Peter Wanner spricht von "fragwürdiger Befragung".

Im seit 2007 andauernden Streit zwischen Radio-1-Inhaber Roger Schawinski und Inhaber der AZ-Medien Peter Wanner um die Radio-Konzession im Aargau, ist es nun zu einem Eklat gekommen: Wie die NZZ am Freitagnachmittag schreibt, wirft die Aargauer Regierung Schawinski vor, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Informationen erschleichen zu wollen.

Offenbar hatte das Bakom die streitbaren Parteien aufgefordert, Indizien zur Frage zu liefern, ob die AZ-Medien ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchen. Da Roger Schawinski Interesse daran hat, Belege für einen Missbrauch zu finden, habe er das Beratungsunternehmen Prognos beauftragt, 30 Aargauer Meinungsführer zu befragen.

Aargauer Regierung will Schawinskis Befragung stoppen

Prognos nahm in der Folge mit mehreren Regierungsräten Kontakt auf - verschwieg dabei aber, dass sie in Schawinskis Sold steht. Vielmehr erweckte Prognos den Eindruck, sie arbeite für das Bakom. Wegen dieses Vorgehens hat die Regierung nun offiziell interveniert. Es sei unverständlich, "dass bei der Kontaktaufnahme für die Interviews seitens Prognos der Eindruck erweckt wurde, die Kontaktaufnahme geschehe im Auftrag des Bakom", schreibt der Aargauer Staatsschreiber Peter Grünenfelder in einem Brief an Prognos, der auch an das Bakom, an Peter Wanner und an Schawinski ging. Erst nach Rückfrage beim Bakom und bei Prognos habe man den wahren Auftraggeber ausfindig machen können. Die Regierung fordert Prognos dazu auf, die "fragwürdige" Befragung zu stoppen. Dies umso mehr, als die Regierung ihre Position im Konzessionsstreit dem Bakom längst offiziell dargelegt habe (sie sprach sich für Radio Argovia aus).

Unlautere Mittel seien angewendet worden

Schawinski bestätigt auf Anfrage der NZZ, dass er hinter der Umfrage steht. Sie sei eine Folge der Weko-Untersuchung. "Das Bakom hat uns als Partei den Auftrag weitergegeben, nachzuweisen, dass diese marktbeherrschende Stellung missbraucht wird", sagt Schawinski. Diese "sehr fragwürdige" Aufgabenstellung sei nur mithilfe einer anonym durchgeführten Studie lösbar. Die Personen aus dem öffentlichen Leben gäben nur unter diesen Umständen Auskunft. "Sonst hätten sie Angst, Nachteile in Kauf nehmen zu müssen, wenn sie sich gegen das Monopol äussern, und zum Beispiel auf eine schwarze Liste zu kommen", macht Schawinski geltend.

Unverständnis bei Peter Wanner

Kopfschütteln löst die Aktion bei Verleger Peter Wanner aus. Er bezeichnet es gegenüber der NZZ als "absolut unkorrekt" und "fragwürdig", Regierungsmitglieder, die längst öffentlich Stellung genommen hätten, mit solchen Methoden zu befragen. "Allerdings erstaunt mich nicht, dass Roger Schawinski diese Konzession mit allen Mitteln ergattern will und dafür auch unlautere Mittel einsetzt." Schawinski seinerseits ist es nicht recht, dass die Umfrage nun frühzeitig publik wird. Dadurch, so fürchtet er, könnten die bisher noch nicht befragten Aargauer Persönlichkeiten nicht mehr unvoreingenommen antworten. (nzz/eh)

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch das Interview mit Roger Schawinski auf persoenlich.com.