Am vergangenen Sonntag, dem 30. Oktober, strahlte das Schweizer Fernsehen eine Folge der Sendung "Reporter" mit dem Titel "Bordellbesuche - Im Dunstkreis des Schweizer Sexkönigs" aus. Über 400'000 Zuschauer sahen sich die Doku an. Seither beschäftigt die gut 20-minütige Reportage und deren Urheber, SF-Reporter Marc Gieriet, die Medien.
In einer viel kommentierten TV-Kritik auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet wurde etwa bemängelt, Gieriet - ein ehemaliger Tele-Züri-Mann - habe vor allem sich selbst in den Vordergrund gerückt und seine Bewunderung für Sexkönig Ingo Heidbrink unverhohlen zum Ausdruck gebracht, während er ihn im Businessjet, im Rolls Royce und im Sexklub begleitete. Der Reporter habe seine Fragen manchmal wie "eine Mischung aus Journalismus-Student und unbeholfenem Single" gestellt und sei mehr im Bild gewesen als sein Interviewpartner, der millionenschwere Bordellbesitzer. Die Reaktionen der Leser reichten von "Wie erkennt man einen schlechten Reporter? Wenn er sich verarschen lässt wie in dem Film!" bis "Was soll diese ganze Empörung hier?"
Am Freitag griff dann der "Blick" das Thema im Print- und Onlinebereich nochmals auf: "Pfui Teufel! SF-Reporter verkauft seinen Puff-Bademantel" titelte das Boulevard-Medium gross. Die Zeitung hatte entdeckt, dass Gieriet einen weissen Bademantel auf der hausinternen Homepage des Schweizer Fernsehens zum Verkauf anbietet. Jenen Bademantel, den er in besagter Sendung während einem Interview mit der nackten "Liebesdienerin" Mirella trägt.
Gieriet preist das Kleidungsstück auf dem Intranet mit den Worten: "Einmal getragen, extrem kleidsam. Preis kann verhandelt werden", an. Bordellbesitzer Heidbrink ist es - laut "Blick" - herzlich egal, dass der Reporter den Bademantel entwedet hat: "Seit dem Bericht im Schweizer Fernsehen haben wir viel mehr Kunden", bilanziert er. Kurz: Viel, viel Lärm um nichts als ein bisschen Textil und eine recht unterhaltsame Reportage. (ads)