Aufrüsten zur Expansion

Gossweiler Media - Brienzer Medienhaus stellt sich auf rasch wachsendes Mikrozeitungs-Netz ein.

Eineinhalb Wochen vor dem Start der neuen Mikrozeitung "ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung" stärkt die Gossweiler Media AG als Lizenzgeberin ihre zentralen Dienste. Dazu stellt sie drei Personen ein, von denen zwei zwar zunächst bei der ONZ arbeiten, jedoch nur bis etwa Ende 2010. "Bis dahin sollte die junge Zeitung auf eigenen Füssen stehen", sagt Urs Gossweiler, Verleger und CEO der Gossweiler Media, auf Anfrage.

Drei Köpfe für ein schlagkräftiges Backoffice

Neu bei Gossweiler Media ist Martin Utz, bisher stellvertretender Chefredaktor des "Fränkischen Tags" in Bayern. Als Projektleiter Publizistik wird er ab sofort die ONZ-Redaktion coachen. Bis vor Kurzem habe der 31-Jährige bei der Mediengruppe Oberfranken eine Gesamtauflage von rund 100‘000 Exemplaren gemanagt, zudem habe er dort das publizistische Konzept erarbeitet und die Redaktion nach dem Newsdesk-Prinzip organisiert, heisst es im Pressetext von Gossweiler Media nicht ohne Stolz.

Ebenfalls neu ist Jörg Salzmann, der bis letzten Herbst Verlagsmanager von Mengis Druck und Verlag in Visp ("Walliser Bote") war. In der Abteilung Mikrozeitung der Gossweiler Media wird er Projektleiter Verlag, der nun seinen ersten, vorübergehenden Einsatz bei der ONZ hat. Beim "Walliser Boten" sei Salzmann massgeblich am Aufbau einer eigenen Verteilorganisation und einer Grossauflagen beteiligt gewesen, wird im Pressetext betont.

Die dritte Person ist Raffael Wüthrich. Er wird künftig die Kommunikation der Abteilung Mikrozeitung leiten und damit Urs Gossweiler entlasten.

Zwischen den Zeilen ist klar von Expansion die Rede

Die diversen Betonungen in der Mitteilung sind offensichtlich bewusst gewählt: Zum einen sollen sie die Kompetenz des Unternehmens Gossweiler Media AG unterstreichen, gleichzeitig lassen sie aber auch erkennen, dass das Brienzer Medienhaus über die ONZ hinaus bereits weitere Mikrozeitungsprojekte im Blickfeld hat. Auch ist nicht anzunehmen, dass die Gossweiler Media nur für eine neunmonatige Aufbauarbeit gleich drei neue Kaderpersonen einstellt. Im Gespräch liess Urs Gossweiler denn auch durchblicken, dass tatsächlich zusätzliche Projekte konkret sind, Namen oder Regionen wollte er jedoch keine nennen. Nur so viel: Schon 2011 sind neue Gründungen und Aufbauhilfen vorgesehen – "vorausgesetzt, die ONZ startet erfolgreich", sagt Gossweiler vorsichtig.

Der Verweis auf die 100'000er-Auflage, für die Martin Utz in Deutschland zuständig war, darf denn auch als erste Zielgrösse für den nun wachsenden Mikrozeitungs-Verbund verstanden werden. Gossweilers eigene Mikrozeitung "Jungfrau-Zeitung" erscheint mit rund 10'000 Exemplaren, bei der ONZ hofft man mittelfristig auf eine ähnlich grosse Auflage. Jörg Salzmann hat den Auftrag, nun auch im nationalen Werbemarkt für die Mikrozeitungen zu weibeln – was ja wohl nur dann wirklich erfolgreich sein kann, wenn das Zeitungsnetz rasch um einige 10'000 Exemplare grösser und auch geografisch breiter wird.

Das ist eine Gossweiler’sche Mikrozeitung

Als Mikrozeitung bezeichnet Gossweiler eine Zeitung übrigens dann, wenn sie dank Online und Mobile über einen permanenten Newsfluss verfügt, der zudem zweimal pro Woche auf Papier "veredelt" wird. "So entsteht dann ein Multimediaverbund, den auch Google nicht bieten kann", sagt Gossweiler. Ein solches Multimedia-Unternehmen müsse sich ausschliesslich auf die eigene Region konzentrieren und nur lokale News verbreiten.

Weiter gliedere es die Ressorteinteilung im Blatt nach Themen (Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur) statt nach Gemeinden oder Regionen, setze bei der EDV auf ein und dasselben System für die Bearbeitung der Online- und Printmedien, übernehme das Layout der JungfrauZeitung (um ein Inseratekombi zu ermöglichen) und verkaufe die Inserate nach Modulen statt Millimeter. "Für eine funktionierende Mikrozeitung braucht es das Zusammenspiel all dieser Elemente", betont Gossweiler. "Unser Ziel ist es, dass in mehreren Regionen solche Medienprodukte entstehen, die zwar überall gleich aussehen, aber jeweils unterschiedliche – eben lokale – Inhalt haben."

(Text: Markus Knöpfli)