Methodenmix für Trendumfragen und Hochrechnungen

SRG - gfs.bern erhält Konkurrenz: Der Auftrag der SRG geht erstmals auch an Sotomo Zürich. Neu wird die Bevölkerung vor Wahlen nicht nur telefonisch, sondern auch online befragt.

Auch in der gesamten laufenden Legislatur wird das Forschungsinstitut gfs.bern um den Politologen Claude Longchamp mit den SRG-Trendumfragen zu eidgenössischen Abstimmungen betraut. Neu wird Sotomo vor  Wahlen mit Onlinebefragungen die Meinung der Bevölkerung einholen. Geschäftsführer dieser Firma ist der bekannte Politologe und Kolumnist Michael Hermann, Thomas Milic leitet den Bereich Abstimmungen und Wahlen.

Dies gab die SRG am Donnerstag bekannt. Nach deren eigenen Angaben wurden 18  Schweizer Forschungsinstitute eingeladen, sich für die Durchführung der Umfragen in der Legislaturperiode 2016-2019 zu bewerben. In den vergangenen Jahren wanderten die Aufträge ans Forschungsinstitut gfs.bernsowie an projection Zürich, ein Zusammenschluss aus Einzelpersonen, wie Daniel Steiner, SRG-Mediensprecher auf Anfrage von persoenlich.com bestätigt.

Nun geht die SRG für Trendumfragen vor Wahlen mit Sotomo Zürich eine neue Kooperation ein. Den Auftrag für Trendumfragen vor Abstimmungen und Hochrechnungen am Abstimmungssonntag behält Longchamp. Neu wird gfs.bern zudem die Ergebnisse eidgenössischer Wahlen hochrechnen.
Mit der Vergabe an diese zwei Bewerber setzt die SRG auf einen Methodenmix. Neu wird Sotomo vor Wahlen mit Onlinebefragungen die Meinung der Bevölkerung einholen. Longchamps Institut gfs.bern wird weiterhin mit computergestützten Telefonbefragungen die Abstimmungstrends eruieren. Dies geschieht neu sowohl mit Mobiltelefon- als auch Festnetzanrufen.
Die SRG publiziert seit 1998 regelmässig Trendbefragungen im Vorfeld von Abstimmungen und Wahlen sowie Hochrechnungen am Abstimmungstag. Die Befragungen zu den Abstimmungen vom 5. Juni 2016 nimmt im bisherigen Rahmen gfs.bern vor.
Wechsel auch bei VOX-Analysen
Erst kürzlich hatte die Bundeskanzlei einen Wechsel bei der Durchführung der Abstimmungsanalysen verkündet. Diese werden künftig nicht mehr von der Forschungsgemeinschaft VOX-Analysen gemacht. Auftragnehmerin für die nächsten vier Jahre ist die Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften FORS.
Diese wird die wissenschaftlichen Nachbefragungen und Analysen mit dem Zentrum für Demokratie Aarau und dem Befragungsinstitut LINK durchführen. Die erste Analyse wird das neue Team voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2016 vorlegen.
Bisher erhob das Forschungsinstitut gfs.bern die Daten für die VOX-Analysen, welche im Turnus von den politikwissenschaftlichen Instituten der Universitäten Zürich, Bern und Genf ausgewertet und interpretiert wurden.
Kontroverse um Umfragen
Mit den systematischen und repräsentativen Nachbefragungen und Analysen informiert sich der Bundesrat über die in der öffentlichen Diskussion vorgebrachten Meinungen und über die Gründe einer Stimmabgabe.
Um die VOX-Analyse ist nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative ein Streit entbrannt. Politologen zweifelten an der angeblich ausserordentlich tiefen Stimmbeteiligung der jungen Generation. Die drei politikwissenschaftlichen Institute nahmen die Affäre zum Anlass, künftig eine neue Methodik anzuwenden. Auch die SRG-Trendumfragen bieten regelmässig Anlass für Kontroversen.
Bild: Keystone