Aus Untersuchungshaft entlassen

Rudolf Elmer - Bankenkritiker und Whistleblower auf freiem Fuss.

Nach 187 Tagen in Untersuchungshaft ist der Bankenkritiker und Whistleblower Rudolf Elmer wieder auf freiem Fuss. Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, bestätigt die Recherchen der Zeitung "Der Sonntag". Elmer konnte das Bezirksgefängnis Winterthur schon am 25. Juli verlassen.

Noch vor einem Monat war Elmers Untersuchungshaft auf Verlangen des ermittelnden Staatsanwalts Peter Giger bis zum 1. Oktober verlängert worden. Der dringende Tatverdacht der wiederholten Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses sei nach wie vor gegeben, begründete damals die Staatsanwaltschaft. Zudem bestehe weiterhin Verdunkelungsgefahr. Wieso Elmer nun plötzlich auf freien Fuss gesetzt wurde, wollte Bouvard nicht kommentieren. Damit bleibt offen, ob der Staatsanwalt den Tatverdacht fallengelassen hat oder ob es zu einer Anklage kommt. Elmer selber schrieb dem "Sonntag" ein kurzes E-Mail: "Ich bin bis Ende August in Griechenland zur Erholung von der stressigen Zeit." Nachher wolle er sich wieder in die Schweiz begeben, versicheret er.

Der ehemalige Kaderangestellte der Privatbank Julius Bär sass seit dem 19. Januar in Untersuchungshaft. Wenige Stunden zuvor hatte ihn das Bezirksgericht Zürich zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, weil er den schweizerischen und deutschen Steuerbehörden, mehreren Medien und der Enthüllungsplattform Wikileaks vertrauliche Kundendaten zugespielt hatte. Diese Daten lösten in mehreren Staaten Strafverfahren gegen mutmassliche Steuerhinterzieher aus. Die U-Haft wurde mit Elmers bislang spektakulärster Aktion begründet: Zwei Tage vor dem Gerichtsurteil übergab er in London vor laufenden Fernsehkameras dem Gründer von Wikileaks, Julian Assange, zwei CDs mit Daten von mutmasslichen Bankkunden, die Steuern hinterzogen haben sollen.