Australien hofft auf Begnadigung von verurteiltem Reporter

Ägypten - Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat die Urteile gegen die Journalisten verteidigt.

Die australische Regierung hofft auf eine Begnadigung des in Ägypten zu einer hohen Haftstrafe verurteilten Journalisten Peter Greste. Es gebe die Möglichkeit eines entsprechenden Erlasses durch Präsident Abdel Fattah al-Sisi, sagte Ministerpräsident Tony Abbott. Seine Regierung werde versuchen, al-Sisi zum Eingreifen zu bewegen. Das Urteil habe ihn schockiert und fassungslos gemacht, sagte Abbott am Dienstag. 

Ein Gericht in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hatte den für den arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira International arbeitenden Australier Greste und zwei seiner Mitarbeiter am Montag zu je sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen, die in dem Land inzwischen verbotene Muslimbruderschaft unterstützt und falsche Nachrichten verbreitet zu haben. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Sie riefen international Empörung hervor.

Die Journalisten sehen sich als Opfer des politischen Disputs zwischen Ägypten und Katar. Al-Dschasira gehört der Herrscherfamilie des Emirats. Es unterstützt die Muslimbruderschaft, die in Ägypten nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär 2013 verboten worden war. Militärchef war damals der heutige Präsident al-Sisi.

Al-Sisi verteidigt Urteile gegen Al-Dschasira-Journalisten
Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat die international kritisierten Urteile gegen die Journalisten des arabischen Senders Al-Dschasira verteidigt. "Wir müssen die Entscheidungen der Justiz respektieren und sollten diese nicht kommentieren, auch wenn andere sie nicht verstehen", sagte al-Sisi am Dienstag bei einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Die Regierung werde sich nicht "in die Belange der Judikative" einmischen.

Neben vier weiteren Angeklagten wurden der australische Journalist Peter Greste, der ägyptisch-kanadische frühere Al-Dschasira-Bürochef Mohammed Fadel Fahmi und der Ägypter Baher Mohammed zu je sieben Jahren verurteilt. Mohammed erhielt eine zusätzliche dreijährige Haftstrafe. Zwei Inhaftierte wurden freigelassen. Elf weitere Journalisten wurden in Abwesenheit zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt, darunter zwei Briten und eine Niederländerin.

Die Entscheidungen des Gerichts sorgten international für Entrüstung. Frankreich, Grossbritannien und die Niederlande bestellten den ägyptischen Botschafter ein. Weltweit protestierten am Dienstag Journalisten gegen die Urteile. (sda)