Der venezolanische Staatspräsident Hugo Chávez ist bei einem Staatsbesuch in Argentinien mit dem Journalistenpreis Rodolfo Walsh ausgezeichnet worden. Die Ehrung, mit der einem der Begründer des investigativen Journalismus in Lateinamerika gedacht wird, wurde dem umstrittenen Politiker aufgrund seines Beitrags zur "öffentlichen Kommunikation" verliehen. Bei den internationalen Medien löste diese Meldung angesichts der eingeschränkten Pressefreiheit in Venezuela heftige Proteste aus. Die "New York Times" oder die spanische Tageszeitung "El Mundo" bezeichneten die Verleihung beispielsweise als "unerklärlich" und "empörend".
"Lang lebe das Freidenkertum ... nieder mit der politischen Vormachtstellung", zitiert der britische "Guardian" aus der emotionalen Rede, die Chávez anlässlich der feierlichen Preisverleihung vor hunderten Studenten der argentinischen La Plata University in Buenos Aires hielt. Unter seiner Führung werde man in Venezuela "eine neue Dynamik der Kommunikation und Volksinformation" etablieren, die frei von jeglichen "spiessbürgerlichen Medienzwängen" sein werde.
In Realität dürfte die Situation in puncto Pressefreiheit in Venezuela aber doch deutlich anders aussehen. So wurde etwa im August 2009 bekannt, dass die linksgerichtete Regierung unter Präsident Chávez mit konsequenter Härte versucht, regierungskritische Medienstimmen mundtot zu machen: Innerhalb weniger Wochen wurden insgesamt 32 Radiostationen und zwei TV-Anstalten die Sendelizenzen entzogen. Mit dem Nachrichten-TV-Sender Globovision wurde schliesslich ein Monat später auch dem letzten regulär empfangbaren grösseren Sender in Venezuela, der noch eine verstärkt regierungskritische Haltung einnahm, der Stecker gezogen.
Kritik von Menschenrechts- und Presseorganisationen
Dass die Vorwürfe gegenüber Chávez nicht von ungefähr kommen, zeigt auch die kritische Haltung vieler unabhängiger Menschrechts- und Presseorganisationen. "Die massive Schliessung vor allem oppositioneller Medien gefährdet die Zukunft demokratischer Debatten in Venezuela und macht die Absichten der Regierung deutlich, abweichende Meinungen zum Verstummen zu bringen", heisst es etwa von Reporter ohne Grenzen (ROG). Auch was die Zensurbemühungen der venezolanischen Regierung im Internet betrifft, stehe das Land bereits "unter Beobachtung". (pte)