Am Dienstagmorgen publizierte das Bakom im Rahmen der Vernehmlassung zur Neukonzessionierung der Radio- und TV-Konzessionen sämtliche Stellungnahmen -- darunter auch jene der Stadt Zürich. Darin tritt der Stadtrat mit Nachdruck für Radio 1, den Sender von Roger Schawinski ein. Dessen Bewerbung lege Zeugnis ab "von eindrücklicher Professionalität und Erfahrung" und zeuge "vom persönlichen Engagement des Gesuchsteller", hiess es da.
Das Dumme daran ist nur: Bei der Stellungnahme der Stadt Zürich handelte es sich um eine falsche Version. Mittlerweile wurde das Papier ausgewechselt und die kontroversen, unterstützenden Worte zu Schawinskis Radioprojekt teilweise entfernt. In einer zweiten Version hiess es nur noch, dass Schawinskis Bewerbung auffalle, da diese in der Lage sein dürfte, etwas Bewegung in die mehr oder weniger festgefahrene Radiolandschaft zu bringen. Kein Wort mehr vom beeindruckenden Leistungausweis Schawinskis. Hat hier das Bakom gepfuscht, oder der Zürcher Stadtrat gar dem Druck der grossen Verlagshäuser nachgegeben?
Eine Anfrage von "persoenlich.com" beim Bakom förderte zu Tage, dass auch die Medienwächter aus Biel am Dienstag mit einigem Erstaunen feststellten, dass die vorgängig auf elektronischem Wege eingegangene Stellungnahme der Stadt Zürich von der per Post folgenden und vom Stadtpräsidenten unterschriebenen Version abwich. Sie wechselten im Verlauf des Dienstags die erste Version aus, da letztlich nur die unterzeichnete Gültigkeit hat, wie Matthias Ramsauer vom Bakom auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt. Doch wie kommt die Stadt Zürich dazu, dem Bakom zwei unterschiedliche Versionen zuzuschicken?
"Uns ist ein ärgerlicher Fehler unterlaufen", klärt Nat Bächtold, Sprecher der Stadt Zürich, auf Anfrage von "persoenlich.com" auf. Das Mail der Stadt Zürich ans Bakom habe versehentlich eine nicht abgesegnete Vorversion der Stellungnahme enthalten. "Die tatsächliche, vom Stadtrat beschlossene Antwort ist dem Bakom per Brief zugestellt worden", so Bächtold. Das peinliche Versehen der Stadt Zürich hat vor allem einen Nutzniesser: Roger Schawinski. Er liess die -- wie sich nun zeigt, ungültigen -- Zitate publikumsgerecht in eine Pressemitteilung einfliessen. (dvp)