Für Tamedia war 2007 ein Ereignisreiches Jahr. Es wurde geprägt von der Übernahme der Espace Media Groupe und von der Lancierung der Gratiszeitung "News" sowie der Ankündigung eines Online-NewsNetzwerks in Kooperation mit der "Basler Zeitung" und der Espace Media Groupe. Zudem haben die Regionalsplits des "Tages-Anzeigers" erstmals ein vollständiges Jahr hinter sich, ebenso "20 minutes" in der Romandie. Dafür wurde das Nachrichtenmagazin "Facts" eingestellt.
Berner Modell quo vadis?
Im Zusammenhang mit der Übernahme der Espace Media Groupe stellt sich im Moment vor allem die Frage, wie weiter mit dem Berner Modell. Wie Tamedia-CEO Martin Kall an der Medienkonferenz erklärte, zeigt der Zusammenschluss von Espace und Tamedia erste positive Auswirkungen. So habe "Der Bund" erstmals seit langem eine schwarze Null geschrieben und somit ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen.
Dies sei eine wichtige Voraussetzung zur Weiterführung des Berner Modells mit "Der Bund" und "Berner Zeitung" als eigenständige Zeitungen. Das Berner Modell mache nur Sinn, wenn BZ und "Bund" publizistisch unterschiedlich und beide Zeitungen wirtschaftlich einträglich seien. Bezüglich Zukunft des "Bund" soll bis Ende Jahr eine Grundsatzentscheidung fallen.
BaZ ist wichtige Partnerin, aber keine Übernahmekandidatin
Auf eine mögliche Beteiligung an der "Basler Zeitung" angesprochen, erklärte Verwaltungsratspräsident Pietro Supino, dass im Moment kein Bedarf bestehe. Die BaZ werde aber eine wichtige Partnerin bleiben. Supino glaubt, dass die Konsolidierung im Schweizer Zeitungsmarkt nicht abgeschlossen ist. Tamedia wolle in diesem Prozess weiterhin eine führende Rolle einnehmen. Dabei sieht Supino ein Potential für Kooperationen zwischen unabhängigen Verlegern.
Neulancierungen auf Kurs
Die neue Gratiszeitung "News" wurde erst zum Ende des Geschäftsjahres 2007 lanciert. Laut Martin Kall ist es deshalb zu früh sowohl für offizielle als auch für inoffizielle Zahlen. Erste aussagekräftige Angaben erwartet der Tamedia-CEO im Sommer. Wichtige Fragen für die Zukunft von "News" werden gemäss Kall sein, ob "News" andere Leser bindet als "20 Minuten" und ob sich das Gesamkonzept mit der Zusammenarbeit der beteiligten Regionalzeitungen bewährt.
Das noch im letzten Jahr angekündigte neue News-Netzwerk geht am 8. August 2008 mit dem Start der Olympischen Spiele in Peking online. Laut Kall wird das Netzwerk bis Ende 2008 rund 43 Vollzeitstellen umfassen; davon 24 Vollzeitstellen in der Mantelredaktion (News-Desk) in Zürich. Dazu kommen autonome Redaktionen in Zürich, Basel und Bern mit regionaler Ausrichtung. Mit dem Aufbau der Redaktion und der technischen Plattform sei man "auf Kurs".
Radio 24 wird ohne Konzession eingestellt
Die Ertragslage bei Radio und TV ist für Tamedia weiterhin unbefriedigend. Kommt noch der ungewisse Ausgang beim Konzessionsverfahren für TeleZüri und Radio 24 dazu. Verwaltungsratspräsident Pietro Supino ist zwar zuversichtlich, dass die Konzessionserteilungen in Sinne von Tamedia erfolgen werden, trotzdem hat man sich auch Gedanken zu einem negativen Szenario gemacht.
Für den Fall, dass TeleZüri keine Konzession erhält, wurden vorsorglich andere Kabelnetzbetreiber angefragt, ob sie den Sender auch ohne Konzession ausstrahlen würden. Für Radio 24 gibt es ohne Konzession keine Zukunft. Der Sender würde gemäss Supino eingestellt.
(Text: Martina Bieler/Stefan Wyss)