Herr Künzli, Sie haben in der «Schweiz am Wochenende» einen öffentlichen Aufruf gemacht und Beba Kürsteiner*, die erste Rocksängerin der Schweiz, gesucht. Wieso wussten Sie von ihrer Existenz?
Im Zuge der Recherchen zu meinem Buch «Schweizer Rock Pioniere», das vor einem Jahr im Zytglogge Verlag erschienen ist, bin ich auf sie gestossen. Bemerkenswert ist sie schon allein, weil Rock in dieser Frühphase eine Männergeschichte war. Frauen gab es praktisch keine. Beba Kürsteiner war die grosse Ausnahme. Die Suche nach ihr verlief aber im Sand.
Was machte sie für Musik?
Sie war Leadsängerin der Zürcher Band Lear und war dort verantwortlich für Melodielinie und Text. Die Band spielte, wie die meisten damaligen Bands in der Schweiz, progressiven Rock mit vielen Anleihen zur klassischen Musik. Unter dem Künstlernamen Jessica versuchte sie eine Solokarriere bei Polydor und veröffentlichte die Single «So He Went Far Away», eine rockige Nummer mit Bläsern. Sie war kein Erfolg und ist heute völlig vergriffen.
Wo haben Sie sie gesucht?
In ihrem damaligen Musikerumfeld. Beim damaligen Bandleader von Lear, This Mugglin, bei der Plattenfirma Polydor, beim damaligen Manager Heinz Meier von Free & Virgin, der im letzten Jahr verstorben ist. Er hat sie für sein Buch gesucht. Aber auch die Suisa konnte keine Angaben zu ihrem Verbleib machen.
«Interessant ist, dass auch viele Radioleute nichts von ihrer Vergangenheit als Rocksängerin wussten»
Wieso kannte niemand mehr Beba Kürsteiner?
Weil am falschen Ort gesucht wurde. Sie beendete ihre Gesangskarriere und wechselte in die Radiobranche. Zuerst als Moderatorin bei Radio Zürisee, dann Radio Argovia und zuletzt Radio Sunshine. Interessant ist, dass auch viele Radioleute nichts von ihrer Vergangenheit als Rocksängerin wussten.
Nun kommt es zum Happy End. Wo lebt Beba Kürsteiner heute?
Sie hat geheiratet, heisst Ineichen und wohnt in der Zentralschweiz.
Wie hat sie auf Ihren Aufruf reagiert?
Sie hat sich sehr gefreut und war erstaunt, dass sich noch jemand an sie erinnerte.
Jetzt kann man Beba Kürsteiner am Donnerstag im Gemeindesaal von Zollikon live sehen – zusammen mit Ihnen. Macht sie überhaupt noch Musik?
Nein, sie hat mit dem Singen aufgehört, bereut es heute aber schon. In Zollikon wird sie von der damaligen Zeit in der Rockszene erzählen, als erste und einzige Schweizer Rocksängerin.
*Beba Kürsteiner tritt am Donnerstag, 27. Oktober, ab 19.45 Uhr, im Gemeindesaal von Zollikon an der Veranstaltung «Schweizer Rock Pioniere» mit CH-Media-Redaktor Stefan Künzli auf.