Ringier hat am Freitagmorgen seine Jahreszahlen bekanntgegeben. Der Konzern erreichte 2005 erneut ein Rekordergebnis. "Das vergangene Jahr war das beste für Ringier" sagte Ringier-CEO Martin Werfeli an einer Pressekonferenz. In der Schweiz habe man befriedigende Ergebnisse erzielt, im Ausland ein starkes Wachstum erreicht. Nicht weniger als 19 Titel in acht Ländern hat Ringier im vergangenen Jahr lanciert, seit kurzem ist der Konzern auch in der Ukraine präsent.
Verleger Michael Ringier und CEO Martin Werfeli unterstrichen denn auch, dass bei Ringier nicht erst seit Kurzem das Gründungsfieber ausgebrochen sei, sondern schon seit vielen Jahren in die Zukunft investiert werde. Michael Ringier nimmt mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis, dass man nun auch in der Schweiz plötzlich als innovativ wahrgenommen werde. Er führt diesen Umstand darauf zurück, dass der Konzern bislang vor allem im Ausland investierte. "Jetzt aber geht die Action in der Schweiz ab", versprach Ringier.
In seinem Rekordjahr wuchs der Gewinn von Ringier um 20.7 Prozent auf 67.1 Millionen Franken, der Cashflow legte um 9.6 Prozent auf 143.2 Millionen Franken zu. Die Gewinnmarge des Schweizer Medienunternehmens liegt mit 5.3 Prozent um 6 Prozent über dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz von Ringier stieg 2005 um 142.8 Millionen Franken respektive um 12.8 Prozent stark an. Wesentlich dazu beigetragen hat gemäss Ringier einerseits das deutliche Wachstum in Mittel- und Osteuropa, andererseits auch die Gründung des Swiss Printers Verbunds und damit die Erstkonsolidierung der ehemaligen NZZ-Druckereien in St. Gallen und Schlieren.
Am umsatzstärksten bleiben mit 66 Prozent oder 829 Millionen Franken die Aktivitäten im Schweizer Print- und Verlagsbereich. Trotz einer deutlich besseren Binnennachfrage seien die Werbeausgaben in den Printmedien der Schweiz hinter dem Vorjahreswert zurückgeblieben. Die Umsätze in der Schweiz hätten vor allem dank eines freundlichen Marktumfeldes bei den elektronischen Medien um 1.8 Prozent zugelegt.
Der Druckbereich litt -- bei einer guten Kapazitätsauslastung -- sowohl im Inland- als auch im Exportgeschäft unter einem anhaltend hohen Preisdruck. Dennoch steigerte sich der Umsatz inklusive der internen Umsätze im Druckbereich um 25.3 Prozent auf 396 Milionen Franken, vor allem durch die Integration der beiden Gesellschaften Zollikofer AG und NZZ Fretz AG in den Swiss Printers Verbund.
Infolge der verstärkten Verlagsaktivitäten in der Schweiz und vor allem im Ausland stiegen die Aufwendungen von 982.9 Millionen Franken um 130.2 Millionen Franken oder 13.2 Prozent auf 1113 Millionen Franken deutlich an. Die Investitionen lagen mit 86 Millionen Franken wieder deutlich über dem Vorjahreswert von 60.3 Millionen Franken. Grösste Einzelinvestition war der weitere Ausbau der eigenen Druckerei in Budapest. Die Investitionen konnten laut Ringier vollumfänglich eigenfinanziert werden.
Ringier beschäftigte 2005 weltweit 6441 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind 360 Mitarbeitende oder 5.9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Allein mit der Integration der vormaligen NZZ-Druckereien in den Swiss Printers Verbund wuchs der Bestand in der Schweiz um 371 Mitarbeiter an. Die Zahl der Mitarbeitenden in den ausländischen Aktivitäten wuchs 2005 um 1.6 Prozent.
Auflagenentwicklung der Blick-Titel äusserst unbefriedigend
Wie Ringier weiter bekannt gab, konnten sinkende Erlöse in den klassischen Kanälen Verkauf und Anzeigen mit neuen On- und Offline-Aktivitäten kompensiert werden. So stieg der Umsatz leicht, auf 200.7 Millionen Franken (+1.5 Prozent). Die Auflagenentwicklung der beiden Blick-Titel blieb "äussert unbefriedigend", Immerhin konnte die negative Auflagenentwicklung beim Sonntagsblick jedoch deutlich verlangsamt werden. Im Gegenzug behaupten sich Blick als auch SonntagsBlick gut im Werbemarkt.
Die Tageszeitung verlor in einem rückläufigen Markt an Umsatz, vermochte gemäss Ringier jedoch ihre Marktposition zu halten. Der SonntagsBlick konnte dagegen Volumen und Umsatz steigern und legte damit in seinem Marktsegment zu. Der SonntagsBlick investierte zudem in sein Magazin, welches seit 1. Mai 2005 als Sie+Er in komplett neuem Stil erscheint. Auch Blick Online erhielt einen Neuauftritt und wurde um einige Angebote ausgebaut.
Ringier Zeitschriften mit leicht tieferem Umsatz
Der Umsatz des Bereiches Zeitschriften liegt mit 223.9 Millionen Franken (-1.7 Prozent) leicht tiefer als im Vorjahr. Hart umkämpft war vor allem der Markt der Programmpresse. Mit der Lancierung von TV2 reagierte Ringier auf Produkte der Konkurrenz; der intensive Kampf im Markt der Programmzeitschriften führte jedoch zu erheblichen Umsatzeinbussen. Auch keiner der übrigen Titel konnte das Umsatzniveau des Vorjahres vollumfänglich halten, mit Ausnahme der Frauenzeitschriften Bolero und Edelweiss, die beide laut Ringier auf dem Anzeigenmarkt massgebliche Anteile hinzugewannen. In der Deutschschweiz habe sich die Schweizer Illustrierte erneut als reichweitenstarker und konstanter Titel gezeigt.
Ringier Wirtschaftsmedien im Aufwärtstrend
Die Cash Gruppe konnte ihre Umsätze seit 2000 erstmals wieder steigern, und zwar um 3.3 Prozent auf 22.2 Millionen Franken (Vorjahr 21,5 Mio.). Die Vertriebs- und Anzeigenerlöse haben nochmals leicht verloren; die Aktivitäten rund um Cash Online hingegen konnten 2005 erheblich höhere Umsätze realisieren.
RingierTV mit mehr Produktionen
Mit einem Umsatzwachstum von 16.8 Prozent auf 46.5 Millionen Franken (Vorjahr 39.8 Mio.) hat RingierTV zugelegt. Die 50-Prozent-Beteiligung an Sat.1 Schweiz verfehlte ihr Vorjahresniveau leicht. Hier spielten gemäss Ringier auch die erzwungenen Einstellungen der Formate Play and Win beziehungsweise Swiss Quiz eine massgebliche Rolle. Die Zahl an Fernsehproduktionen für das Schweizer Fernsehen, für PresseTV und das Programmfenster Sat.1 Schweiz wuchs auch 2005.
Ringier in Mittel- und Osteuropa mit vielen Neulancierungen