"Bei Cicero steht nicht das Geschäftliche im Vordergrund"

- Cicero heisst das politisch-kulturelle Autoren-Magazin, das Ringier bekanntlich im kommenden Frühjahr lanciert. Das Monatsmagazin will sich zwischen "niveauvollen Nischentiteln und breiten Nachrichtenmagazinen respektive Qualitätszeitungen" positionieren, wie es Verleger Michael Ringier am traditionellen Herbst-Mediengespräch formulierte. "persoenlich.com" hat in Potsdam bei Chefredaktor Wolfram Weimer (Bild) nachgefasst. Das Interview erfolgte auf schriftlichem Weg.

Was ist Cicero? Was erwartet den Leser?

Ein Autorenmagazin aus der deutschen Hauptstadt. Das erste politische Monatsmagazin deutscher Sprache. Ein Treffpunkt für Vordenker. Ein Reflektorium. Inmitten der Krise des Qualitätsjournalismus bekennt sich die neue Zeitschrift zur Tradition des klassischen Autoren-Magazins -- und damit zum anspruchsvollen Text.

Wir sind ein Magazin für politische Kultur. Hier geht es nicht um Nutzwert oder Nachricht. Hier stehen Analyse, Einordnung und Interpretation im Mittelpunkt. Es geht um die grossen Fragen der Gesellschaft, und die sind immer Grenzfragen der Disziplinen, vor allem zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur. Alle Journalisten-Genres sind möglich. Es wird ein lebendiges Blatt der Meinungsbildung.

Gibt es Vorbilder? Ein deutscher New Yorker?

Nein. Cicero wird etwas sehr Eigenständiges. Die angelsächsischen Intellektuellenmagazine wie The Atlantic oder The Nation (USA) sowie Prospect und Spectator sind in Details zwar Vorbilder: von der kritischen Nachdenklichkeit bis zu Pflege der Karikatur. Aber auch von der deutschsprachigen Zeitschriftenkultur der Vorkriegszeit kann man manches lernen -- von der Weltbühne bis Fackel.

Warum gerade Cicero?

Weil der Name Programm ist. Cicero ist der Urvater der politischen Debatte. Die Personifikation der freien Rede, eine Referenz für politische Kultur. Und: Er war ein leidenschaftlicher Verfechter der Res Publica -- gegen die Entartungen der Macht.

Welche Autoren werden bei Ihnen schreiben?

Kluge vor allem. Cicero ist als offenes Forum für viele Meinungen konzipiert: Die besten Schreiber, Intellektuelle und Journalisten, Politiker und Wirtschaftsstrategen versammeln sich zu einem Ideenwettbewerb -- zu einem gedruckten Salon unserer Zeit.

Auf wann ist der Launch geplant?

Die Entwicklungsphase ist erfolgreich abgeschlossen. Jetzt bereiten wir den Marktauftritt vor -- im ersten Quartal 2004 wird es wohl soweit sein.

Wie hoch wird die Auflage sein?

Wir starten mit einer Druckauflage von 100'000 Exemplaren im gesamten deutschsprachigen Raum.

Wie viel investieren Sie in das Projekt? Wie gross wird die Redaktion sein? Wann rechnen Sie mit dem Break Even?

Über geschäftliche Details und Planungen geben wir grundsätzlich keine Auskunft. Bei Cicero steht im übrigen das Publizistische und nicht das Geschäftliche im Vordergrund.

Die Schweizer Weltwoche fährt zur Zeit einen politischen Rechtskurs. Was ist die publizistisch-politische Grundhaltung von Cicero?

Klugheit kennt keine Parteilichkeit. Wir sind weder links noch rechts, sondern liberal im klassischen Sinne. Cicero wird ein Forum für viele Meinungen. Substanz und Argumente zählen. Wohl aber wird das Magazin die europäische Debattenkultur verkörpern, und insofern öffnet wir den Blick über Tellerränder. Toleranz, Ernsthaftigkeit und im besten Sinne demokratische Gesinnung ist uns zu eigen.