Bei der Post-Tochter Presto sind insgesamt 4390 Personen beschäftigt, was 769 Vollzeitstellen entspricht. Wegen der Einstellung des SonntagsBlick sind davon zwei Gruppen betroffen: Maximal 70 Zustellende verlieren die Stelle ganz – weil sie in sehr tiefen Pensen arbeiten, macht das aber weniger als fünf Vollzeitstellen aus. Weitere 491 Mitarbeitende erhalten einen angepassten, reduzierten Vertrag, was rund 28 Vollzeitstellen entspricht. Das schreibt Nathalie Dérobert Fellay, Mediensprecherin der Post, auf Anfrage von persoenlich.com. Betroffen sind ausschliesslich Mitarbeitende mit Bezug zur Sonntagszustellung in der Deutschschweiz, die Werktagszustellung bleibt unberührt. Zusammengerechnet sind damit 561 der 4390 Presto-Angestellten betroffen – mehr als jeder Achte.
Die Post ordnet den Schritt als Folge der allgemeinen Entwicklung im Printmarkt ein. «Die Entwicklung ist Ausdruck des seit Jahren rückläufigen Markts für gedruckte Zeitungen und rückläufiger Abonnentenzahlen», schreibt Dérobert Fellay. Der Wegfall des SonntagsBlick verändere das Sonntagsgeschäft von Presto substanziell.
Ringier hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, dass der SonntagsBlick am 27. Dezember letztmals erscheint und ab dem 9. Januar 2027 zusammen mit der Blick-Samstagsausgabe im Blick fürs Wochenende aufgeht (persoenlich.com berichtete). Bei Ringier selbst sollen keine Stellen wegfallen.
Gewerkschaft erwartet Unterstützung für Sozialplan
Syndicom kritisiert den Entscheid scharf. Ringier trage auch Verantwortung für die rund 1850 Zustellenden von Presto, welche die Sonntagspresse verteilen, und könne die sozialen Folgen nicht auf die Auftragnehmerin abschieben. «Syndicom erwartet von Ringier eine substanzielle Unterstützung für einen allfälligen Sozialplan», wird Zentralsekretär Urs Zbinden in der Mitteilung zitiert. Viele Zustellende arbeiteten sonntags in einem kleinen Pensum und seien auf den Zusatzverdienst angewiesen, weil ihre AHV- oder IV-Rente nicht ausreiche. Auch der Personalverband Transfair fordert Presto und die Post auf, alles daranzusetzen, die Mitarbeitenden weiterzubeschäftigen.
Ringier sieht dagegen keine Mitverantwortung. Man sei mit Presto seit Längerem im Austausch über die Umstellung und deren Folgen und bedaure diese für die betroffenen Zustellenden «aufrichtig», schreibt Kommunikationschefin Johanna Walser auf Anfrage von persoenlich.com. Die Kosten der Sonntagszustellung seien über die Jahre kontinuierlich gestiegen, weshalb Presto wiederholt die Vertriebspreise habe anpassen müssen – Erhöhungen, die Ringier «über viele Jahre mitgetragen» habe. Mit dem Wechsel auf den Samstag falle diese Dienstleistung nun weg. «Dass sich daraus für uns eine Mitverantwortung ergeben sollte, können wir nicht nachvollziehen», so Walser. Eine finanzielle Beteiligung an einem Sozialplan sei deshalb nicht vorgesehen.
«Die Folgen sozialverträglich gestalten»
Presto bedaure die möglichen Auswirkungen «sehr», hält die Post fest: Auch kleine Pensen könnten für Betroffene eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle darstellen. Das Unternehmen werde «alles daransetzen, die Folgen für die betroffenen Mitarbeitenden so sozialverträglich wie möglich zu gestalten». Presto führt ein Konsultationsverfahren durch, in dem die Mitarbeitenden Vorschläge zur Vermeidung von Kündigungen einreichen können, und nimmt mit den Sozialpartnern der Post, Syndicom und Transfair, Gespräche über einen Sozialplan auf. Ob die Post ihrerseits eine finanzielle Beteiligung von Ringier erwartet, beantwortete die Mediensprecherin nicht.
Offen bleibt auch, was der Wegfall des dritten Sonntagstitels für die Vertriebskosten der beiden verbleibenden Zeitungen bedeutet. NZZ am Sonntag und SonntagsZeitung würden weiterhin wie gewohnt am Sonntag zugestellt, schreibt die Post. «Zu den Vertragsdetails mit unseren Kunden äussern wir uns grundsätzlich nicht», hält Dérobert Fellay auf die Frage nach möglichen Preiserhöhungen fest.
Die NZZ analysiert derzeit die Auswirkungen des Ringier-Entscheids. «Es ist zu früh, um Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf den Vertrieb oder auf Abonnementspreise zu machen», sagt Karin Heim, Leiterin Unternehmenskommunikation. Man halte aber an der NZZ am Sonntag und am Erscheinungstag fest. Tamedia-Sprecher Edi Estermann kann zu möglichen Folgen für die SonntagsZeitung und für die Preise «zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen machen». Bei Änderungen werde man die Abonnentinnen und Abonnenten frühzeitig informieren. Beide Verlage hatten sich bereits vor dem Ringier-Entscheid zum Sonntag als Erscheinungstag bekannt.