"Bei Ringier gibts nichts zu lachen"

Nico - Im neu aufgemachten "Blick" haben seine Karikaturen keinen Platz mehr. Die Lust am Zeichnen hat Nico deswegen aber nicht verloren: Nach einem fast dreijährigen Abstecher an der Dufourstrasse ist er nun bei der "Aargauer Zeitung" und "Sonntag" gelandet. Am Samstag erschien bereits seine erste Karikatur. Im Interview mit "persoenlich.com" übt Nico Kritik an der Ringier-Führungscrew und sagt, weshalb sein Wechsel zum "Blick" ein Fehler war.

Nico, Sie werden bald siebzig. Sind Sie den schnelllebigen Zeitungsbetrieb noch nicht müde?

Nein, ich werde auch mit 90 nicht müde sein, vorausgesetzt, dass dann mein Geist noch wach ist.

Was reizt Sie am neuen Job bei der AZ/"Sonntag"?

Die kriminellen Machenschaften in Politik, Wirtschaft und Finanz sind für einen Satiriker die täglichen Delikatessen.

Wie wollen sie bei der AZ/"Sonntag" einen prägenden Eindruck hinterlassen?

Wenn möglich durch hinterhältig-lustige Ideen und gute kritische Grafik.

Wie glücklich war das "Tages-Anzeiger"-Urgestein Nico an der Dufourstrasse?

Während nahezu 40 Jahren hatte ich geglaubt, es gäbe zwischen Werdstrasse und Dufourstrasse einen Unterschied in der Unternehmenskultur. Habe ich jetzt gerade "Kultur" gesagt?

Hätten Sie es sich auch vorstellen können, wieder zum "Tages-Anzeiger" zurückzukehren?

Das ist wohl kein ernsthaftes Thema mehr.

Beim Blick kamen Ihre Karikaturen nie im selben Masse zu Geltung wie beim "Tages-Anzeiger". War der Wechsel zum "Blick" nicht ein Fehler?

Selbstverständlich war es ein Fehler, denn bei Ringier gibt's nichts zu lachen. Doch der Blick-Käfer weiss es besser: "Paris Hiltons Nippel sind höher als der Eiffelturm". Ha, ha, ha...

Wie verlief Ihre Trennung vom "Blick". Wurden Sie dort weggespart?

Ich würde mich eher als die kritische Ratte bezeichnen, die das sinkende Schiff verlässt.

Wie unterscheidet sich das Innenleben der Redaktionen von "Blick" und "Tages-Anzeiger"?

Die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen sind hier wie dort liebenswert, freundschaftlich, gescheit und professionell. Das Problem ist, dass "der Fisch vom Kopf her stinkt" wie wir wissen.

Ihr Abgang beim "Tages-Anzeiger" im Jahr 2005 war von Misstönen begleitet. Sie übten harsche Kritik an der Sparpolitik von Tamedia-CEO Martin Kall. Auch bei Ringier kam es zu Entlassungen...

... zum Tamedia-CEO Martin Kallaschnikow sage ich nichts ohne meinen Anwalt. Und zur Ringier-Führung kommt mir nur das stereotype Bild vom Hühnerhof in den Sinn, im Moment 'wo der Fuchs auf Besuch kommt'. Kopfloser gehts nicht.

"Auch mit 90 nicht müde": Zeichner Nico.

Nico's erste Karikatur für die Aargauer Zeitung.

(Interview: David Vonplon)