"Beim Fernsehen hätte ich gerne wieder moderiert."

- Von der Tagesschau in den Nationalrat: Matthias Aebischer tauscht Mikrofon und Kamera gegen eine schicke Politiker-Aktentasche. Vorausgesetzt, er wird gewählt. Auf "Persoenlich.com" erklärt der ambitionierte Berner, warum er nicht "Arena"-Moderator werden wollte und was er macht, wenn er die Wahl verliert. Zum Interview:

Herr Aebischer, Ihre Absicht Nationalrat zu werden, hat für grossen Wirbel gesorgt: Interviews in "20 Minuten", "Blick", "Tages-Anzeiger", "Bund" und auch in den Zeitungen der Romandie. Im Raum Zürich hörte man Sie auf fast allen Radio-Stationen. Hilft das im Wahlkampf überhaupt? Denn Sie müssen ja von den Bernern gewählt werden.

Die grosse Medienresonanz ist natürlich super für mich. Auch die Berichte in den Zürcher Medien werden hoffentlich über die Region hinaus Wellen werfen. Der "Tagi" zum Beispiel, wird ja in Bern sehr oft gelesen und die Zürcher Radios sehr oft zitiert.

Hat der Rücktritt etwas damit zu tun, dass Sie nie Moderator der Tagesschau-Hauptausgabe werden konnten?

Ich habe vieles gemacht. Sicher hätte ich auch gerne die Tagesschau-Hauptausgabe moderiert. Aber das sollte wohl einfach nicht sein.

Sie verliessen den Posten als Clubmoderator und gingen als Redaktor zur Tagesschau. Dieser Wechsel ist nicht wirklich ein grosser Karrieresprung.

Das stimmt. Es war kein karrieretechnischer Aufstieg. Ich realisierte damals, dass ich eher der Newsmensch bin. Ich wollte Nachrichtenbeiträge machen und dafür zum Beispiel Bauern im Stall besuchen, mit dem Helikopter in die Berge fliegen oder mit der Fussballnati zu Länderspielen reisen. Das macht mir Spass.

Fehlten Ihnen nicht doch gewisse Karriereperspektiven?

Klar, wenn ich noch zehn Jahre beim Fernsehen geblieben wäre, hätte ich gerne wieder moderiert. Am besten gefiel mir die Arbeit, als ich Moderation und Reportereinsätze gleichzeitig machen konnte. Also damals, als ich als Moderator der Tagesschau in Krawatte am Bildschirm zu sehen war, und am anderen Tag in Gummistiefen auf Reportage ging. Es war ein gutes Gefühl. Die Leute kannten mich vom Bildschirm. Somit musste ich mich nicht lange vorstellen und kam rasch mit den richtigen Leuten in Kontakt.

Die Moderation der Arena hat Sie nie gereizt?

Zur Zeit als ich den Club moderierte, hätte ich mich auch für die Arena beworben. Nach dem Club war mir klar, wenn ich noch einmal moderiere, dann muss die Sendung auf mich zugeschnitten sein. Das ist die Arena nicht. Ich bin kein Dompteur und auch kein Conferencier. Eine Polit-Talkshow sollte in meinen Augen in einem ähnlichen Format wie der Club ausgestaltet sein, so dass die Teilnehmenden argumentieren und aufeinander eingehen können.

Nun gehen Sie also in die Politik. Sie hätten sich auch als Kommunikationsberater selbstständig machen können.

Ja stimmt. Ich wurde auch schon von Departementen angefragt, ob ich nicht in den Beraterstab kommen möchte. Doch ich entschied mich dagegen, weil ich im Innersten nicht überzeugt war. Ich bin primär keiner, der passiv Informationen vermittelt, sondern einer, der aktiv agieren will.

Von welchen Departementen kamen die Anfragen?

Das kann ich nicht sagen.

Sie kandidieren für die SP, weil Ihre Eltern bereits für diese Partei politisierten. Welchen Listenplatz haben Sie?

Auf der SP-Männer-Liste des Kantons Bern kommen zuerst die bisherigen Kandidaten, dann sind Plätze für zwei, drei Jungsozialisten reserviert, und anschliessend, so nehme ich an, folgen die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge. Da wäre ich mit "Aebischer" also an 5. oder 6. Stelle positioniert. Die SP-Männer-Liste ist mit Hans Stöckli, André Daguet, Alexander Tschäppät und auch dem FMH-Präsidenten Jaques de Haller sehr gut besetzt, finde ich. Ich glaube fest daran, dass wir einen Sitz gewinnen können.

Was tun Sie, falls Sie nicht gewählt werden?

Das weiss ich noch nicht.

Sie haben sich bestimmt einen Plan B überlegt. Zurück in den Journalismus können Sie ja nicht mehr.

Es wird sich etwas ergeben, da bin ich zuversichtlich. Mit meinem journalistischen Background, meiner Ausbildung und mit meiner Verbindung zur Universität, wo ich doziere und unterrichte, werde ich sicher eine Anstellung finden.

Sicher nicht als Mediensprecher einer Bank…

… nein, sicher nicht. Aber vielleicht gingen andere Türen auf, zum Beispiel aber als Berater einer Bundesrätin, als Gewerkschaftsmitarbeiter oder als Mitarbeiter im SP-Parteisekretariat.

Was sagt Ihre Frau dazu?

Sie hatte keine Freude an meinen Plänen. Natürlich ist meine Entscheidung ein Wagnis. Aber finanziell sind wir abgesichert, denn meine Frau arbeitet. Ich bin ja jetzt bereits am Mittwoch, Donnerstag und Freitag Hausmann.

Wann ist Ihr letzter Arbeitstag?

Kündigen werde ich erst im Februar. Aber nach der Medienmitteilung vom Mittwoch darf ich weder am Bildschirm zu sehen sein, noch darf ich redaktionell arbeiten. Was genau ich bei SRF in den nächsten Tagen machen werde, müssen wir zuerst definieren.

Interview: Edith Hollenstein