Der Schweizerische Anwaltsverband (SAV) hat seinen diesjährigen Medienpreis an die RTS-Sendung «Temps Présent» verliehen. Autor Jean-Philippe Ceppi und Filmer Xavier Nicol erhalten die Auszeichnung für ihren Beitrag «Mon juge est-il partisan», der die Problematik der Mandatssteuer beleuchtet, die Schweizer Richterinnen und Richter an politische Parteien zahlen müssen, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Jury würdigte sowohl die inhaltliche Tiefe als auch die filmischen Qualitäten des fast einstündigen Films über die Unabhängigkeit der Justiz.
Den zweiten Platz erhielten Anja Conzett und Barbara Achermann für ihre Recherche im Magazin über einen Brand von 1989 in Chur, bei dem vier tamilische Flüchtlinge starben. Ihr Artikel «Wurden Murali und Mugunthan von Neonazis ermordet?» belegt, wie oberflächlich die Behörden den Fall damals untersuchten. Der dritte Preis ging an das Autorinnen-Trio Anina Ritscher, Jennifer Steiner und Lorenz Naegeli vom Online-Magazin Republik für ihre Berichterstattung über den Prozess gegen den ehemaligen gambischen Innenminister am Bundesstrafgericht Bellinzona.
Der mit insgesamt 12'000 Franken dotierte Preis wird alle zwei Jahre vergeben und honoriert journalistische Leistungen, die das Schweizer Recht und dessen Institutionen allgemeinverständlich erklären. Jury-Präsident Franz Steinegger, ehemaliger Nationalrat und früherer NZZ-Verwaltungsratspräsident, freute sich über eine Rekordzahl an Bewerbungen.
Ausserdem wurde Altbundesrätin Ruth Dreifuss mit dem Gleichstellungspreis ausgezeichnet. Die Preisübergabe fand am 19. Juni in Luzern statt. (pd/spo)