Belegschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen

Tele Bärn - SSM als Interessenvertretung eingesetzt.

Beim Regionalfernsehsender Tele Bärn gärt es. Bei der Belegschaft herrscht seit längerer Zeit Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen und die Lohngestaltung. Nun ist bei den Mitarbeitern der Geduldsfaden gerissen. Sie haben die Mediengewerkschaft SSM beauftragt, ihre Interessen gegenüber der Espace Media Groupe bzw. Tamedia zu vertreten.

Beim Ruf nach besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen orientiert sich die Belegschaft von Tele Bärn nicht zuletzt an einem Zitat von Espace-CEO Albert P. Stäheli, der gesagt haben soll: "Gleiches Haus, gleiche Regeln." Von "persoenlich.com" darauf angesprochen, will Stäheli diese Aussage nicht bestätigen. Der Blick zu den Kollegen von Tele Züri bildet aber dem Vernehmen nach die Vorlage für die Forderungen der Mitarbeiter des Berner Regionalsenders.

Zudem haben die neuen Gebührengelder, die dem Sender nach der Neukonzessionierung zur Verfügung stehen, Hoffnungen auf Investitionen in die Infrastruktur, in die Ausbildung und ins Personal geweckt. Doch nun glaubt die Belegschaft aufgrund einer Mitarbeiterinformation, dass keine Anpassungen in die gewünschte Richtung vorgesehen sind.

Konzessionsgelder bedeuten nicht automatisch mehr Lohn

Christopher Wehrli, Leiter Kommunikation Espace Media Groupe, bestätigt auf Anfrage von "persoenlich.com", dass es eine Mitarbeiterorientierung gegeben habe. Zum einen sei es um die Bereinigungen der Gesellschaftsstruktur bei Espace gegangen. Weiter wurden die Mitarbeiter über die Harmonisierung der Arbeitsverträge nach der Übernahme durch die Tamedia in Kenntnis gesetzt. Und schliesslich wurden die neuen Pensionskassen-Regelungen vorgestellt. Es habe sich aber um allgemeine Informationen gehandelt. Im Rahmen dieser Mitarbeiterinformation seien von der Belegschaft von Tele Bärn auch die Löhne thematisiert worden.

Mit der neuen Konzession, die das Bakom dem Sender im Juli dieses Jahres zusprach, wurde laut Wehrli der Mindestlohn für redaktionelle Mitarbeiter erhöht. Wie aus dem Konzessionsgesuch hervorgeht, beträgt dieser für ein 100 Prozent-Pensum 4600 Franken. Mit dem Umzug von Tele Bärn von Wabern ins neue Medienhaus in Bern erhalte der Sender Ende Oktober auch eine verbesserte Infrastruktur -- insbesondere neue Studios, so Wehrli. Diese Investitionen seien durch die neuen Gebührengelder ermöglicht worden. "Die Konzessionsgelder für Tele Bärn bedeuten aber nicht automatisch mehr Gewinn oder eine generelle Lohnerhöhung."

SSM offizielles Mandat erteilt

Diese Massnahmen genügen den Mitarbeitern von Tele Bärn nicht. Sie sind der Meinung, dass sich die Arbeitsbedingungen und das Lohngefüge nicht nach ihren Vorstellungen ändern werden. Sie haben nun die Initiative ergriffen und an einer Betriebsversammlung beschlossen, die Mediengewerkschaft Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) als ihre Interessenvermittlerin einzusetzen. Christian Gusset, Gewerkschaftssekrektär SSM, bestätigt entsprechende Recherchen von "persoenlich.com". Zum genauen Forderungskatalog der Belegschaft und dem geplanten Vorgehen wollte sich Gusset nicht äussern.

Zurzeit dürfte es für den Gewerkschaftsvertreter schwierig sein, einen Verhandlungspartner zu finden. Espace-CEO Albert P. Stäheli wechselt in gleicher Funktion zur NZZ und wird ab Mitte September noch Restferien einziehen. Und Martin Kall, CEO von Tamedia, wird die interimistische Leitung der Espace erst ab Oktober übernehmen. So sind denn bei der Espace Media Groupe laut Kommunikationsleiter Wehrli auch noch keine offiziellen Anträge von Seiten der Belegschaft von Tele Bärn bzw. der beauftragten Gewerkschaftsvertretung eingegangen.

(Text: Stefan Wyss)