Fernsehen ist in vielen Teilen der Welt unangefochten das attraktivste Freizeitmedium. Die durchschnittliche Sehdauer weltweit lag im Fernsehjahr 2005 bei 184 Minuten, mehr als drei Stunden täglich. Das französische Forschungsinstitut Médiamétrie und die Berliner Medienberatung Goldmedia analysieren in der neuen Ausgabe der jährlich publizierten Studie "One Television Year in the World -- Issue 2006" das Fernsehverhalten in mehr als 70 TV-Nationen rund um den Globus.
Die US-Amerikaner sehen mit 271 Minuten täglich 87 Minuten länger fern als der weltweite Durchschnitt. Für Europa ermittelte die Studie mit 195 Minuten die gleiche durchschnittliche Sehdauer wie in 2004, obgleich es 2005 kein sportliches Grossereignis gab. In Lateinamerika lag die durchschnittliche Sehdauer bei 196 Minuten. Allerdings ist das Sehverhalten in den einzelnen Ländern dieser Region äusserst unterschiedlich.
Neben der Sehdauer erstellt die Studie für die untersuchten Länder Hitlisten der meistgesehenen Sendungen. In den Rankings der jeweiligen Länder-TOP 101 dominierten 2005 erneut die Fiction-Programme. Sie haben einen Anteil von insgesamt 44 Prozent. Beachtenswert ist, dass in Nord Amerika und in Australien/Neuseeland der Fiction-Anteil im Vergleich zu 2004 um 15 bzw. um 20 Prozent gestiegen ist.
In Nordamerika hat Fiction mit 60 Prozent den höchsten Anteil an den TOP 10-Fernsehsendungen. Ganz anders zum Beispiel im Mittleren Osten: hier ist Fiction nicht annähernd so populär wie in Europa, Asien und Amerika. Unter den verschiedenen Fiction-Formaten haben Serien stark an Beliebtheit gewonnen. Während sie 2004 schon 50 Prozent der meistgesehenen Fiction-Programme ausmachten, stieg ihr Anteil in 2005 noch einmal um 14 auf 64 Prozent. Die Studie benennt als Gründe für den grossen Erfolg die durchschnittliche Länge von 52 Minuten, ihre regelmässige Bildschirmpräsenz, die Existenz eines Cliffhangers am Serienende und die Tatsache, dass Serien mit ihren Themen sehr nah am Zuschaueralltag sind. Unter dem wachsenden Erfolg der Serien leiden allerdings die Spielfilme, die 2005 lediglich einen Anteil von 16 Prozent an den TOP 10-Fictionprogrammen erreichten.
Entertainment dominiert Top 10 in Europa
38 Prozent der TOP 10-Programme weltweit gehören dem Bereich Entertainment an. In Europa erzielte Entertainment sogar einen Anteil von 64 Prozent. Am beliebtesten war dieses Genre in Osteuropa. Für viele Fernsehsender erwiesen sich Special Events -- zum Beispiel der Eurovision Song Contest -- erneut als sichere Bank. In 23 europäischen Ländern erreichte die Show eine Top 10-Platzierung. Der griechische TV-Sender Net Channel konnte mit dieser Sendung sogar 82 Prozent Marktanteil erreichen, den weltweit höchsten Marktanteil 2005 überhaupt.
Verglichen mit 2004 steigerten auch Sendungen mit Unterhaltungs- und Showelementen ihre Einschaltquoten. Ein Beispiel ist die britische Sendung Strictly come dancing (BBC). Die "Promi-Tanzshow" wurde in vielen Ländern adaptiert und erreichte ausser in Grossbritannien auch in den Niederlanden, Norwegen, Dänemark, Österreich, Australien und Neuseeland Top 10-Platzierungen.
Der Bereich Factual (Newsmagazine und Nachrichtensendungen sowie politische Programme und Dokumentationen) hat mit 18 Prozent den gleichen soliden Anteil an den beliebtesten TV-Sendungen wie in 2004. Factual-Programme sind vor allem in Europa populär. Eine Reihe gesellschaftspolitischer Ereignisse brachte diesem Genre in 2005 erneut eine hohe TV-Präsenz: der Tod des Papstes und die Neuwahl, die Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe in Asien Ende 2004 oder die Volksentscheide zur europäischen Verfassung. 80 Prozent aller Top 10-Platzierungen für Factual-Sendungen weltweit sind in Europa angesiedelt.