Die Verwendung des Online-Micro-Blogging-Dienstes Twitter im Rahmen der Berichterstattung zu den Terroranschlägen in der indischen Finanzmetropole Mumbai hat innerhalb der britischen Medienlandschaft eine heftige Diskussion über journalistische Qualitätskriterien ausgelöst. Während von der einen Seite die ungeschönte, direkt am Geschehen liegende Art der Berichte der "Bürgerjournalisten" aus dem Web gelobt wird, sehen Kritiker darin eine Gefahr für den professionellen Journalismus.
Als besonders fragwürdig wird vor allem der Einsatz von Live-Berichten der Twitter-Blogger gesehen, wie ihn die BBC im Zuge ihrer kürzlich gestarteten "Live Updates"-Sektion zu den Mumbai-Terrorattacken vorgeführt hat. "Ein 'Twitterrer' ist niemandem etwas schuldig ausser seinen eigenen Eindrücken und seinem Geisteszustand. Sie verbreiten Gerüchte voreilig als Fakten", kritisiert der "Independent"-Journalist Tom Sutcliffe. Wenn die BBC derartiges Material verwende, spiele sie "russisches Roulette mit ihrer redaktionellen Integrität".
Dass die BBC im Rahmen ihrer Berichterstattung zu den Terroranschlägen in Mumbai auf Twitter-Meldungen zurückgegriffen habe, stelle eine Gefährdung des klassischen Journalismus und seiner Qualitätskriterien dar. "Wenn die BBC nicht will, dass der Zynismus weiter zunimmt, sollte sie ein wenig vorsichtiger sein und aufpassen, dass die Grenze, die zwischen Twitter und einer ernsthaften Berichterstattung besteht, nicht vollkommen verschwimmt", betont Sutcliffe.
Auch die BBC selbst hat mittlerweile Fehler in diesem Zusammenhang eingeräumt. "Ich glaube, wir hätten die verwendeten Twitter-Meldungen in diesem Fall besser überprüfen sollen, auch wenn dies sicherlich nicht immer möglich gewesen wäre. Wir haben unsere Lektion gelernt", gesteht Steve Herrmann, Redakteur der BBC-News-Webseite ein.
Die Terrorangriffe in der indischen Finanzmetropole Mumbai hatten vor rund zwei Wochen zu einer wahren Flut von Blog-Berichten zum Thema auf Twitter geführt. Seit dem ersten Moment der Terrorangriffe schilderten Augenzeugen darin direkt vor Ort das aktuellste Geschehen oder veröffentlichten selbstgemachte Fotos, die Leser die Tragik der gewaltvollen Auseinandersetzungen hautnah miterleben liessen. (pte)