Die Bank Sarasin hat am Montag beim Presserat Beschwerde gegen die "Weltwoche" eingereicht. Wie die Bank mitteilte, moniert sie die "fehlerhafte" Berichterstattung über die Verletzung des Bankgeheimnisses durch einen ehemaligen IT-Mitarbeiter der Bank. Die Wochenpublikation habe ihre journalistischen Pflichten in "verschiedener Hinsicht erheblich verletzt und dabei die Schädigung der Reputation der Bank Sarasin sowie des zu Unrecht als Quelle angegebenen Kundenberaters in Kauf genommen". Die "Weltwoche" überprüfte gemäss der Bank nicht nur ihre einzige Quelle ungenügend, sondern ignorierte in der Ausgabe vom 5. Januar bewusst Informationen und Kontakte zur Bank. Diese hätten der Wochenzeitung eine vorgängige Berichtigung der fehlerhaften Berichterstattung erlaubt. In folgenden Ausgaben habe das Blatt darüber hinaus Berichtigungen unterlassen.
Urs Paul Engeler und Roger Köppel sind sich keines Fehlers bewusst
Gelassen sieht dieser Beschwerde der "Weltwoche"-Journalist Urs Paul Engeler entgegen. In einem Interview mit persoenlich.com meint er: "Die Beschwerde der Bank streift (...) das Absurde. Welche Information hätte die Bank mir zum Zeitpunkt meiner Recherche (Ende Dezember, 1. bis 3. Januar 2012) liefern können? Einen beglaubigten zweiten Konto-Auszug? Namen, Funktionen und Handlungen ihrer Mitarbeiter? Kontaktdaten mit Herrn oder Frau Hildebrand? In der Folge stellte ich der Bank Sarasin in vier Mails insgesamt sechs ganz konkrete und detaillierte Fragen. Beantwortet wurde keine "
"Weltwoche"-Chefredaktor Roger Köppel teilte der Nachrichtenagentur sda mit, die Berichterstattung sei korrekt gewesen. Die "Weltwoche" habe ihre "journalistische Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt". Die aufgedeckten Missstände hätten zum Rücktritt Hildebrands geführt. Die Bank Sarasin habe nie im Zentrum der Kritik und der Berichterstattung gestanden. Zudem habe das Bankhaus alle Anfragen der Zeitung mit dem Hinweis auf das Bankgeheimnis nicht beantwortet. Als die Bank nach dem ersten Artikel Kritik äusserte, habe die "Weltwoche" angefragt, was berichtigt werden müsse. Auch diese Frage blieb nach Köppels Angaben unbeantwortet.
Seitens des Presserats sagte Sektretär Martin Künzi, das Gremium habe bereits erwogen, von sich aus tätig zu werden. Die Beschwerde der Bank werde nun angeschaut. Mit einem Entscheid des Rats für die Ethik in den Medien sei bis Mitte Jahr zu rechnen.
Bereits Strafanzeige eingereicht