Am Mittwoch, 9. Dezember, ab 19 Uhr hielt eine Gruppe von etwa 40 Kurden den Eingangsbereich des Schweizer Fernsehens im Leutschenbach besetzt. Gegen 22 Uhr wurden die Demonstranten von der Polizei weggebracht. Auf Anfrage bestätigten die Pressestellen von SF und der Stadtpolizei Zürich den Vorfall, beide kommunizierten aber nicht von sich aus.
SF habe mit der Stadtpolizei vereinbart, dass nur der Polizei-Sprecher Auskunft gebe, begründete SF-Sprecher David Affentranger die Verschwiegenheit gegenüber "persoenlich.com". Zudem sei die Aktion vom 9. Dezember nicht erstmalig, sondern fände "jährlich" statt. Die Gruppe suche jeweils das Gespräch mit dem SF-Chefredaktor. Polizeisprecher Mario Cortesi erläuterte, dass man sich während rund einer Stunde die Forderungen der Gruppe angehört habe und sie dann aufforderte zu gehen. Weil sie sich aber weigerte, habe SF Strafantrag gestellt. Darauf seien die Demonstranten auf die Wache gebracht worden, wo ihre Personalien aufgenommen wurden. "Alle sind wieder auf freiem Fuss, sie werden aber verzeigt", sagte Cortesi. Der Polizeisprecher betonte zudem, dass es zu keiner Gewaltanwendung gekommen sei. Zwar ging eine Scheibe in Bruch, dies sei aber offensichtlich unabsichtlich passiert. Zu den Forderungen der Gruppe wollte er sich nicht äussern. "Ich will ihr keine Plattform geben, denn das ist nicht die Art, wie wir hier miteinander umgehen", sagte Cortesi.
Gemäss einem Augenzeugen skandierten die Demonstranten unter anderem "Öcalan, Öcalan". Vermutlich sollte also die Aktion am Vortag des Internationalen Tages der Menschenrechte (10. Dezember) an den ehemaligen Kurdenführer Abdullah Öcalan erinnern, der seit zehn Jahren in der Türkei inhaftiert ist und kürzlich bessere Haftbedingungen verlangte. Am letzten Wochenende war es deswegen in der Türkei zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.
(Text: Markus Knöpfli)