Bei strahlendem Sonnenschein sind am Sonntag die diesjährigen Solothurner Filmtage zu Ende gegangen. Trotz zusätzlichen Sitzplätzen in nunmehr insgesamt acht Kinosälen blieben selten viele Stühle leer. Die Jubiläumsausgabe der Filmtage war mit rund 44'000 Zuschauern (Vorjahr: 40'000) erneut ein Grosserfolg. Die künstlerische Bilanz jedoch ist durchzogen.
"Ich bin sehr erstaunt, aber natürlich auch sehr erfreut über dieses Resultat", sagte Festivaldirektor Ivo Kummer zum Abschluss gegenüber der Nachrichtenagentur sda. "Diesen neuen Rekord verdanken wir dem neu hinzu gekommenen Kinosaal sowie der sehr gut besuchten Retrospektive zum Schauspieler Bruno Ganz", betonte Kummer.
Levys 'Alles auf Zucker'
In Solothurn waren dieses Jahr mehrere neue Spielfilme zu entdecken: Zu gefallen wussten "Ricordare Anna" des Zürchers Walo Deuber, das etwas kompliziert gebaute Drama um eine Familie, in der Mutter und Kinder an Aids sterben, sowie "Tout un hiver sans feu", der Filmpreisgewinner von Greg Zglinski, in dem die Eltern mit dem Tod ihrer Tochter zurecht kommen müssen. Den grössten Publikumserfolg hatten jedoch einige Komödien. Dani Levys in Deutschland produzierte turbulente Familienkomödie "Alles auf Zucker" ist gute Unterhaltung auf hohem Niveau, der in Englisch gedrehte Erstling "Chaos & Cadavers" von Niklaus Hilber serviert klassisch makabren Humor, und der Erstling "Lago Mio" von Jann Preuss ist ein atemlos geschnittenes Feel-Good-Movie.
Am anderen Ende der Qualitätsskala stehen drei Westschweizer Spielfilme. Christophe Marzals "Au large de Bad Ragaz" mit Jean-Luc Bideau ist ein arg konstruiertes Roadmovie durch die Schweiz, Elena Hazanovs "Love Express" mit Mathilda May eine von Peinlichkeiten triefende Romanze, und "Paul s'en va" von Alain Tanner ein pseudointellektuelles Machwerk auf tiefem Niveau.
Kapazitätsgrenzen
Die Toleranz des Publikums ist jedoch enorm. Es liess sich von so gut wie allen Produktionen begeistern. Die Filmtage sind eben längst mehr als eine Filmwerkschau mit Diskussionen. Sie sind ein Event, bei dem die Begegnung im Foyer oder in der Bar ebenso zählen wie der Filmbesuch. Das Festival selber platzt mit erneut zehn Prozent mehr Besuchern aus allen Nähten. Besonders bei den Abendvorstellungen mussten mehrmals Besucher abgewiesen werden. Die Filmtage stossen mit ihrem Publikumserfolg deutlich an ihre Kapazitätsgrenzen.