Die Baumgartner Papiers-Gruppe erwartet für das 1. Halbjahr einen Betriebsverlust. Als Gründe nennt das Unternehmen einen schleppenden Geschäftsgang im Bereich Papierhandel sowie Kosten im Zusammenhang mit der Abwehr der Übernahmeversuche durch den US-Financier Asher Edelman. In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat die in Crissier domilizierte Papier-Gruppe einen Umsatz von 132 Mio. Fr. erzielt. Auf vergleichbarer Basis entspricht dies einem Rückgang um 7 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Auf der Ertragsseite hofft die Gruppe jedoch, bis Ende Jahr wieder ein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen zu können.
Zwei negative Faktoren
"Die ersten Monate des Geschäftsjahres 2002 sind von zwei negativen Faktoren geprägt gewesen: durch den Übernahmeversuch durch die Gruppe um Asher Edelman, der zwar gescheitert ist, aber viel Managerkapazitäten verschlungen und das Personal verunsichert hat, sowie durch schwierigen Marktbedingungen", sagte Konzernchef William Angst am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz in Lausanne.
Die Geschäftsbereiche Verpackungen, Fibertec (Zigaretten-Filter) und ELCO-Papier würden sich nicht zuletzt dank der eingeleiteten Restrukturierungen und Kostensenkungsmassnahmen im laufe des Jahres positiv entwickeln. Dies gelte jedoch nicht für den Bereich Papierhandel, für den eine Lösung gesucht werden müsse, sagte Angst.
Ausländischer Partner
Im Papierhandelsgeschäft habe Baumgartner Papiers vor allem mit dem Problem seiner Grösse und dem begrenzten Schweizer Markt zu kämpfen. Das Unternehmen als Nummer 3 der Branche habe in der Schweiz einen Marktanteil von etwa 20 Prozent. Eine Expansion im Inland sei kaum möglich und der Schritt über die Grenze sei mit zu hohen finanziellen Risiken verbunden.
Baumgartner Papiers sei deshalb gezwungen, einen industriellen Partner zu suchen. Dabei müsse es sich um einen industriellen Investor aus dem Ausland handeln, weil ein Zusammengehen mit einem inländischen Konkurrenten zweifellos die Weko auf den Plan riefe, erläuterte Verwaltungsratspräsident Jacques Baumgartner. Er schloss auch einen Verkauf der Sparte Papierhandel nicht aus.
Bei der Gruppe um Edelman handle es sich leider nicht um einen industriellen Partner mit klaren strategischen Vorstellungen. Der Verkauf der Ertragsperle Verpackungen für 65 Mio. Fr. sowie die «illusorische Realisierung» von Immobilien in Höhe von ebenfalls 65 Mio. Franken, wie dies Edelman im Fall einer Übernahme der Kontrolle über das Unternehmen angekündigt habe, seien kein Diskussionsthema, sagte Baumgartner weiter.
Stellenabbau
Trotzdem kündigte Baumgartner am Mittwoch an, nicht betrieblich genutzte Immobilien in der Agglomeration Lausanne für rund 20 Mio. Fr. verkaufen zu wollen. Der Erlös sei vorab für die Finanzierung der eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen gedacht. Der Reorganisation der Baumgartner-Gruppe werden etwa 50 Arbeitsplätze zum Opfer fallen, und dies vorwiegend in der Westschweiz. "Wir werden unseren Personalbestand von gegenwärtig 1149 bis Ende Jahr auf etwa 1100 senken. Dieser Stellenabbau wird vorwiegend über frühzeitige Pensionierungen erfolgen. Sollte es dennoch zu vereinzelten Entlassungen kommen, werden wir einen Sozialplan bereit stellen", versicherte Konzernchef Angst.