Das Quotentief der einst meinungsbildenden Politsendung «Arena» bereitet dem Schweizer Fernsehen Kopfschmerzen. Moderator Jonas Projer versucht mit allen Mitteln, die Zuschauer zu binden: Für die letzten beiden Sendungen wurden Vertreter aus dem Volk eingeladen, zudem konnte das Publikum vorab via Twitter mitreden.
«Ein keimfreier Auftritt des Volkes» schlussfolgert Robert Ruoff, ehemaliger SRF-Redaktor, in der «Aargauer Zeitung». Denn von den 200 Twitter-Kommentaren wurden in der Sendung zur Gotthardröhre gerade mal vier eingeblendet und in der zweiten Sendung zur Durchsetzungsinitiative blieben die Bürger stets im Hintergrund: «Die erste Viertelstunde parlierte die Kaste unter sich, wandte dem «Volk» auf den hinteren Bänken den Rücken zu und verkörperte die Machtverhältnisse, die sich auch in den Service-public-Medien stetig reproduzieren. Eine gleichberechtigte Diskussion sieht anders aus – vom grossen Ideal des «herrschaftsfreien Dialogs» gar nicht zu reden.»
Einzig die «ganz normalen Bürger» hätten zu einer aufgeklärten Debatte beigetragen, so Ruoff weiter. Es sei viel spannender, den Menschen bei ihren Gedankengängen zusehen zu können als vorgefertigte Reden serviert zu bekommen. «Es gibt kaum Spannenderes und Anregenderes», so der ehemalige SRF-Redaktor. Das «Arena»-Experiment habe gezeigt, wie wichtig der Austausch mit den Bürgern sei – um die Sendung zu «reaktivieren», brauche es aber eine neue «Arena» und «vielleicht sogar eine neue SRG».
Ruoff verweist auf die «politbox» des SRF, die im Wahlkampf 2015 ganz normale Stimmen hinzugezogen hat und als gutes Beispiel für Community Building vorangeht. Denn trotz all der Kritik hegt Ruoff Hoffnung für die Zukunft der SRG: «Wenn es nicht zu lange eingemottet, sondern zügig weiterpraktiziert wird, zum Beispiel mit der «Arena», entsteht bei den Gebührenzahlern und den Bürgerinnen und Bürgern vielleicht sogar die Idee, dass die SRG tatsächlich ihr Medienhaus ist.» (sg)
Bild: Screenshot «Arena» vom 19. Februar