Bewegende Trauerfeier für getötete Fotografin

Associated Press - Anja Niedringhaus wurde in ihrer Heimatstadt Höxter beerdigt.

Unter Anteilnahme von mehreren hundert Trauernden aus dem In- und Ausland ist die in Afghanistan erschossene deutsche Fotografin Anja Niedringhaus in ihrer westfälischen Heimatstadt Höxter beerdigt worden.

Acht Tage nach dem tödlichen Anschlag nahmen Angehörige, Freunde und Kollegen am Samstag in einer bewegenden Trauerfeier in der Abteikirche des Klosters Corvey Abschied von der preisgekrönten Reporterin der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Anschliessend wurde der mit weissen Frühlingsblumen geschmückte Sarg auf dem städtischen Friedhof beigesetzt. Rund 600 Trauergäste begleiteten Niedringhaus auf ihrem letzten Weg.

"Botschaft der Menschlichkeit"
Niedringhaus sei preisgekrönt nicht nur als Fotografin von Kriegen, sondern auch für ihre "Botschaft der Menschlichkeit", sagte der in Höxter lebende ehemalige Leiter des UNO-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, in einer Ansprache. Sie habe in ihren Bildern die "grauenvolle Fratze des Hasses und Krieges" gezeigt, aber auch Mitleid und Hoffnung.

Niedringhaus habe immer einen Blick für die Gefahren ihrer Arbeit gehabt, sich aber dennoch verpflichtet gefühlt, Kriege ins Bewusstsein zu bringen. Töpfer zitierte Worte der getöteten Fotografin: "Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt."

Die AP-Chefredaktorin Kathleen Carroll erinnerte daran, dass Niedringhaus immer grosses Mitgefühl für Menschen gezeigt sowie Mut und Hoffnung verbreitet habe. "Ich bin stolz auf Dich", sagte Carroll.

Von Polizist erschossen
Die 48-jährige Niedringhaus war am 4. April in der afghanischen Unruheprovinz Chost nahe der Grenze zu Pakistan von einem Polizisten erschossen worden. Ihre kanadische Kollegin Kathy Gannon wurde schwer verletzt. Sie wird noch in einem Spital in Frankfurt/Main behandelt. In einem in der Kirche verlesenen handgeschriebenen Brief sandte Gannon einen letzten Gruss an Niedringhaus, mit der sie jahrelang zusammen auf Reisen war.

Die beiden Journalistinnen hatten in Afghanistan in einem der Wagen eines gesicherten Wahlkonvois gesessen und auf die Weiterfahrt gewartet, als der Polizist sie angriff. Er war nach Behördenangaben der Kommandant eines Polizei-Kontrollpunkts. Als Motiv habe er Rache für NATO-Luftangriffe auf sein Dorf angegeben.

Niedringhaus hatte seit den 90er Jahren aus Kriegs- und Krisengebieten wie Bosnien, Nahost, Irak und Afghanistan berichtet. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter gemeinsam mit anderen Fotografen 2005 den amerikanischen Pulitzer-Preis für ihre Bilder aus dem Irak-Krieg. Sie lebte in Genf und auf dem Hof ihrer Schwester bei Kassel. (sda)