Bieler Stadtparlament droht mit Subventionsentzug

Canal 3 - "Es gibt in Biel kein französischsprachiges Radio mehr!".

Der Bieler Stadtrat (Legislative) hat bei der Behandlung von zwei parlamentarischen Vorstössen zur Situation beim zweisprachigen Lokalradio Canal 3 mit der Streichung der Subvention von 125'000 Franken gedroht. Die Ko-Motionäre Alain Sermet (Parti socialiste) und Alain Nicati (Parti radical romand) fuhren gegen den Stiftungsrat von Canal 3 schweres Geschütz auf. "Es gibt in Biel kein französischsprachiges Radio mehr!", rief Nicati aus und führte als Beweis die seiner Meinung nach ungenügende Mittagssendung an.

Beide schossen scharf gegen den Präsidenten des Stiftungsrates, Bruno Wyss. Nicati warf ihm unter anderem vor, den Stiftungsrat mit Freunden aufstocken zu wollen, "um seine starrsinnige Haltung durchzusetzen". Sermet nannte die Presseerklärungen des Präsidenten "alarmierend". Die Motionäre verlangten einen Leistungsvertrag zwischen Stadt Biel und Canal 3, in dem eine paritätische Vertretung der Sprachgruppen im Stiftungsrat, professionell qualifiziertes Personal sowie eine von der deutschsprachigen Redaktion unabhängige französischsprachige Redaktion festgeschrieben werden.

Über die Einhaltung habe das Lokalradio jährlich Bericht zu erstatten. Nur wenn diese Bedingungen vor der Budgetdebatte Mitte Oktober erfüllt würden, könne die Subvention, welche der Aufrechterhaltung der französischen Frequenz trotz geringerer Werbeeinnahmen diene, ins Budget 2005 aufgenommen werden. Eine Vertreterin der Grünen und ein weiterer französischsprachiger Sozialdemokrat hieben in die gleiche Kerbe. Schul- und Kulturdirektor Pierre-Yves Moeschler versicherte, er werde ohne Nachsicht auf die Einhaltung der vom Stiftungsrat für die Subventionsfreigabe 2003 unterschriebenen Verpflichtungen pochen.

Die beiden Motionäre freuten sich, dass der Gemeinderat mit ihren Anliegen einig ging. Sie waren einverstanden, den Vorstoss in ein Postulat umzuwandeln, weil er in die Kompetenz der Exekutive eingreift. Gegen das Postulat wandte sich niemand, so dass es ohne Abstimmung überwiesen wurde. Die Kontroverse hatte sich daran entzündet, dass der Stiftungsrat in Abwesenheit der französischsprachigen Mitglieder aus Spargründen eine Reduktion der französischsprachigen Redaktion beschlossen hatte. Insbesondere die Entlassung des langjährigen Chefredaktors stiess auf Unverständnis.