Sie haben schon früher gesagt, Privatfernsehen in der Schweiz könne kein rentables Geschäft sein. Jetzt hat Ihre Aussage Aktualität erhalten. Wie beurteilen Sie grundsätzlich die Situation?
Für das Privatfernsehen ist die Schweiz ein schwieriges Pflaster. Wie man hört, fahren Tele 24/TeleZüri, TeleBärn und TeleM1/Tele Tell ganz beträchtliche Verluste ein. Man weiss, dass auch TV3 große Anlaufkosten hat und der bisherige Partner SBS offenbar ausscheiden will. Die Umsatzerlöse, um einen Privatsender rentabel betreiben zu können, sind in der Schweiz praktisch nicht zu erreichen. Ich habe schon früher immer wieder betont, dafür brauche es mindestens 100, wenn nicht sogar 120 Millionen Franken pro Jahr. Solche Summen sind aus dem Schweizer Werbemarkt mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht herauszuholen.
Demzufolge sind Ihrer Meinung nach Privatsender mit Vollprogramm in der Schweiz nicht finanzierbar?
Ein Vollprogramm ist meiner Meinung nach tatsächlich nur schwer zu refinanzieren. Das ist kein Wunder, denn gewisse Grundangebote sind für ein Vollprogramm unerlässlich, News zum Beispiel, Lizenzprogramme, aber auch ein wirklicher USP, der den Sender von der SRG oder von deutschen Sendern deutlich abhebt. Bis heute hat mir noch kein Schweizer Privatsender überzeugend vermitteln können, was sein USP ist. In gewisser Weise kann vielleicht "Big Brother" in Mundart oder "Robinson" auf Züridütsch ein USP sein. Das sind zweifelsohne Programmformate, mit denen man viele Zuschauer in der Primetime holt. Aber es sind auch sehr teure Programme, die mit Sicherheit negative Deckungsbeiträge haben. Ich weiss, wie viel in Deutschland "Big Brother" oder "Inselduell" kosten. Solche Sendungen werden nicht billiger, nur weil Züridütsch gesprochen wird. Und einfach ein kleinerer Container ergibt noch keine grösseren Kosteneinsparungen. Man kann und muss davon ausgehen, dass solche Programme in der Schweiz fast genauso viel kosten wie in Deutschland.
Wie lautet Ihre Prognose für die Zukunft der Schweizer Privatsender?
Das ist vor allem eine politische Frage. Die jetzige Situation ist ganz klar von der Politik so gewollt: Die SRG wurde gestärkt, ihr wurde sogar erlaubt, SF 2 zu gründen, das ein weiteres Service-Segment bietet und den Privatsendern ebenfalls Zuschauer wegnimmt. Privatfernsehen hat man in der Schweiz erst zugelassen, als die SRG gut genug aufgestellt war. Die SRG-Angebote sind im Übrigen, wie ich sagen muss, von Fernsehdirektor Peter Schellenberg perfekt im Markt positioniert worden. Hinzu kommt, dass die Privatsender im Wettbewerb mit der SRG benachteiligt sind: Sie müssen ohne Gebühren auskommen, während die SRG weiterhin zusätzlich werben und Sponsoring betreiben darf. Kurzum: Auf diese Art kann Privatfernsehen in einem derart kleinen Markt einfach nicht funktionieren. Der Gesetzgeber müsste jetzt im Rahmen einer Revision des Radio- und Fernsehgesetzes endlich Farbe bekennen, ob er Privatfernsehen wirklich will oder nicht. Und wenn er es will, muss er strukturell die Voraussetzungen dazu schaffen.
Roger Schawinski und die Leute um TeleBärn und Tele M1/Tele Tell möchten beteiligt werden am SRG-Gebührentopf. Was meinen Sie dazu?
Ich persönlich halte das für schwierig. Privatfernsehen sollte sich über Werbeeinnahmen und nicht über Gebühren finanzieren. Hingegen könnte man sich fragen, was den Privaten ein Werbeverbot für die SRG bringen könnte. Momentan wäre ein solches Verbot politisch allerdings kaum durchsetzbar. Ich bin sogar davon überzeugt, dass der Fernsehwerbemarkt selbst dagegen wäre, zumindest kurzfristig. Denn die Werbebetreibenden wollen ihre Budgets nicht auf kleine Sender verteilen, sondern setzen aufs Flaggschiff.