Billag für die Zeitung gefordert

"Weltwoche" - Kurt W. Zimmermann verlangt Staats-Intervention.

"Weltwoche"-Kolumnist Kurt W. Zimmermann liegen die Schweizer Zeitungen am Herzen. In Thailand sinniert der Auslandschweizer, wie die hiesigen Printmedien gerettet werden können. In der "Weltwoche"-Ausgabe vom 11. Oktober präsentiert er nun eine provokante Lösung gegen die sinkenden Auflagen der Schweizer Verlagshäuser.

Der Staat muss eingreifen

Er schlägt in seiner süffisanten Kolumne Alarm: "Jetzt muss der Staat eingreifen." Zimmermann propagiert eine obligatorische Zwangs- und Zeitungsgebühr von 462 Franken für alle Schweizer Haushalte. Das Modell hat er nicht neu erfunden, Preis und Details orientieren sich massgeblich am Fernsehgebührenmodell: Die Billag treibt das Geld ein, die Haushalte zahlen und der Staat schüttet das Geld gemäss einem "Auflage-Verteilschlüssel" an die Verlage aus, so Zimmermanns Zeitungs-Gebührenmodell. Wie er gegenüber persoenlich.com meint, ist in seinem Gedankenspiel keine Entlastung der Bürger vorgesehen, im Gegenteil, er möchte ihnen die Zeitungsgebühr zusätzlich zu den Billag-Gebühren aufbrummen: Insgesamt jährlich 924 Franken. Die Haushalte würden dafür Schweizer Radio und Fernsehen empfangen sowie "eine Zeitung nach ihrer Wahl" zugestellt bekommen.

Konsequent in seinem Ansatz sieht Zimmermann auch Zeitungskonzessionen und eine Qualitätsprüfung durch das Bundesamt für Kommunikation vor. Er bilanziert: "Das Modell ist für die Schweiz zweifellos die ideale Lösung." Aus der Politik erwartet er Unterstützung von Links bis Rechts, Christoph Blocher könne auch nicht alles aus dem eigenen Sack bezahlen und alle seien mit dem Modell doch auch schon vertraut geworden. Man kann sich vorstellen, dass ob dieser Lösung nicht nur Zimmermann selbst, sondern auch Volk und Verlegerschaft frohlockt.

Blicks Auflage unter 200'000 gesunken

Doch wieso schlägt Zimmermann gerade jetzt Alarm? Zum ersten Mal seit 43 Jahren gibt es keine Bezahl-Zeitung mehr mit einer Auflage von mehr als 200'000. Nach "Tages-Anzeiger" und "Berner Zeitung" hat nun auch der "Blick" unter Chefredaktor Ralph Grosse-Bley die 200'000-Schwelle unterschritten. Wie der "Sonntag" suggeriert, sitzen die beiden Ringier-Chefredaktoren auf zwei separaten Schleudersitzen, deren Knöpfe Ringier-CEO Marc Walder allerdings noch nicht bedient hat. Für die Nachfolge des "glücklosen" Karsten Witzmann werde laut Insidern bereits eine Lösung gesucht. Die Geschäftsführerin der Blick-Grupp, Carolina Thoma, dementiert die Gerüchte im "Sonntag". Die beiden Deutschen stünden nicht zur Debatte. Schnippisch liest sich ihre Gegenfrage: "Weshalb auch? Es sind allesamt hervorragende Blattmacher, welche mit ihren jeweiligen Titeln einen ausgezeichneten Job machen." Witzmann meint dazu: "Kein Kommentar".

Eine witzige Kolumne

Auf die Anfrage von persoenlich.com, was die beiden Ringier-Chefredaktoren von Zimmermanns "Lösung" und einer staatlichen Unterstützung generell halten, lässt die Unternehmenskommunikation ausrichten: "Die beiden Herren möchten zu diesem Thema momentan keine Stellung nehmen." Das heisst, eine Stellungnahme zu einem späteren Zeitpunkt ist nicht auszuschliessen. Roger Köppel, "Weltwoche"-Chefredaktor winkt ab und sagt gegenüber persoenlich.com wenig überraschend, er sei "grundsätzlich gegen solche Subventionen". Res Strehle, stellvertretender Chefredaktor vom "Tages-Anzeiger" meint: "Ich finde Zimmermanns aktuelle Kolumne witzig, aber bin durchaus zuversichtlich, dass der 'Tages-Anzeiger' auch in den nächsten Jahren keine staatliche Unterstützung brauchen wird." Weiter sieht er beim Publikum eine wachsende Bereitschaft für journalistische Qualitätsinhalte zu zahlen, und zwar nicht nur dann, wenn sie auf Papier gedruckt seien.

Gespannt sein dürfte man, ob die "doppelte Billag-Gebühr" auch den Streit zwischen Verlegern und SRG neu einheizen würde. Das Thema Werbung klammert Zimmermann aus - eine zulässige Komplexitätsreduzierung angesichts der Sorgen in Folge schwindender Zeitungsauflagen. Zimmermann will die Ernsthaftigkeit seines Vorschlags am Telefon gegenüber persoenlich.com nicht kommentieren. Wer seine Kolumnen seit zehn Jahren lese, könne auch seine aktuelle einordnen.

Text: Benedict Neff