"Wenn die Menschen des frühen 21. Jahrundert sich nach Ordnung, Klarheit und Sicherheit sehnen, wenn Religion und Kollektivwerte wieder wichtig werden, dann sind Blick und SonntagsBlick voll im Trend. Dieser Meinung ist zumindest Kurt Brandenberger im Nachrichtenmagazin Facts. Blick und SoBli seien "Blätter, in denen der Heilige Geist weht, und zwar nicht erst seit dem Getöse um das Sterben und den Tod des Papstes.
Der Blick versuche in einer Zeit, in der bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung Werte wie Glaube, Gemeinwohl und Solidarität eine Auferstehung erleben würden, in einem Zweikampf mit 20 Minuten verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Dies versuche man mit Kommentaren und Kampagnen, die eine klare politische Linie verfechten und sich als Träger der "neuen Werte anbieten. Damit wolle sich der Blick gegen die erfolgreiche Pendlerzeitung abgrenzen, die "mit pragmatischem, jedem missionarischen Eifer abholden Boulevardjournalismus den Ringier-Medien zusetzt.
Blick-Chefredaktor Werner de Schepper und "seine Jünger seien in den letzten Monaten "mit dem heiligen Zorn, mit dem Jesus einst die Händler aus dem Tempel vertrieben habe gegen Manager wie Brabeck, Vasella und Ospel und ihre Millionen-Saläre ins Feld gezogen.
Dabei handle es sich um einen Schauplatz jenes Wertekampfes, den Frank A. Meyer führe und sich auf die Frage reduziere: "Welchen Staat wollen wir? Den von der globalen Wirtschaft und einer profitmasimierenden Managerkaste beherrschten Staat oder den demokratischen, dem Föderalismus und dem Kollegialsystem verpflichteten Sozialstaat?
Im Falle von Christoph Blocher würden Meyer nicht mal mehr kritische Fragen reichen, da sehe er "Teufelswerk und rückt den Systemveränderer Blocher in die Ecke der Frontisten, die das Kollegialsystem in den Dreissigerjahren durch die Revision der Bundesverfassung auszuhebeln versucht hätten.
Der Blick könne an einem Tag einen Sünder an den Pranger stellen und ihm am nächsten Tag vergeben, wie das Beispiel des "notorischen Blaufahrers und CVP-Ständerat Filippo Lombardi zeige. Solche Widersprüche würden zu Boulevardblättern gehören. Bei Ringiers Boulervardblättern gelte Gut und Böse.