Im Kanton Thurgau tobt ein hitziger Streit zwischen auf Tradition erpichten Beamten und der Bevölkerung: 10'000 Flur- und Siedlungsnamen erhielten in den letzten Jahren Mundart-Bezeichnungen, was jetzt zu heftigen Protesten führt. Viele Thurgauer können die oft seltsamen Begriffe und Worte aus dem Mittelalter gar nicht aussprechen; zudem müssen Unternehmen, Restaurants und Privatpersonen ihre Adressen ändern. Einzelne Restaurants müssten sich sogar neue Namen zulegen. Die immer zahlreicher werdenden Zuzüger aus der ganzen Schweiz und deutsche Staatsangehörige, meist gute Steuerzahler, können die Ausdrücke weder aussprechen noch buchstabieren - ganz abgesehen von Touristen aus aller Welt, die am Bodensee Ferien machen.
Ein besonderes Problem stellt sich für die GPS-Benützer in den Autos, welche die Dialekt-Ausdrücke gar nicht verwenden können. Die "Thurgauer Zeitung" hat sich von Anfang an gegen diese vom Regierungsat abgesegnete Aktion gewehrt. Nun fordern immer mehr Politiker, dass zumindest die 3000 wichtigsten Siedlungs- und Flurnamen wieder ihre alten hochdeutschen Namen erhalten. Die "Thurgauer Zeitung" hat heute auf der Frontseite ein Abstimmung lanciert: Die TZ-Leser können mittels eines Coupons ihre Meinung kundtun. Die "Thurgauer Zeitung" will mit dieser Leserumfrage eine alternative Volksabstimmung durchführen. Unter den Einsendern werden auch Preise verlost: Als 1. Preis lockt ein Nachtessen mit dem "Wunschgast aus dem Kanton Thurgau", den die Redaktion dann organisieren vielleicht muss gar der verantwortliche Beamte antreten.