"Blick". Muss sich vor Presserat verantworten

- Beschwerde gegen Petarden-Berichte eingereicht.

Gegen die Berichterstattung über den Petarden-Werfer (Johann "Jogi" B.) liegt beim Presserat eine Beschwerde vor. Eingereicht wurde sie am Freitag von Philippe Wampfler. Der Beschwerdeführer wirft den "Blick"-Journalisten vor, gegen drei Punkte der „Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalisten“ verstossen zu haben. Es sind dies Ziffer 7) und Ziffer 8).

Erstens wird beanstandet, dass "Blick" die Privatsphäre von Johann B. sowie diejenige seiner Eltern durch die Art der Recherche und durch die Berichterstattung verletzt. Dazu gehöre auch die Publikation von Portraitbildern mit zweifelhafter Quellenangabe, so der Beschwerdetext. "Ein öffentliches Interesse kann dabei nicht geltend gemacht werden - Johann B. ist nicht einmal für das Zünden der Petarde verantwortlich, die ihn verletzt hat. Er ist ein Unfallopfer. Die Reaktion seiner Eltern und seines Arbeitsumfeldes auf seinen Unfall sind nicht von öffentlichem Interesse", so die Begründung. Zweitens wird das Vorgehen des Journalisten Benny Epstein kritisiert: "Offenbar hat der Journalist von der Wohnung von Johann B. dessen Eltern aufgelauert. Er zitiert die Eltern zudem, obwohl der Artikel deutlich aufzeigt, dass die Eltern nicht zitiert werden möchten." Drittens überschreite „Blick“ die Grenze zur Privatsphäre des Umfelds von Johann B.: "Das Leid der Betroffenen und die Gefühle ihrer Angehörigen werden nicht respektiert."

Beim Beschwerdeführer handelt es sich um Philippe Wampfler, einen Zürcher Mittelschullehrer, der unter anderem an der Fachmittelschule (FMS) Medienethik unterrichtet. Wampfler reagiert mit der Beschwerde auf zahlreiche Rückmeldungen zu seinem eigenen Blogeintrag und weiteren Texten auf tageswoche.ch, Bildblog, Nation of Swine, Journalistenschredder oder blogpersoenlich.com. "Über zehn Mails gingen bei mir ein. Es meldeten sich sowohl Leute aus dem persönlichen Umfeld von Johann B., als auch Fussballfans, die das FCZ-Spiel in Rom selber miterlebt hatten". Wampfler will mit der Presseratsbeschwerde darauf hinweisen, dass die Richtlinien des Presserates immer weniger ernst genommen würden. "Vor allem Ringier hält sich zunehmend nicht mehr an diese Richtlinien", so Wampfler gegenüber persoenlich.com. Seine Forderung ist deutlich: "Wenn für Ringier die Presseratsrichtlinien obsolet sind, sollte sich das Medienhaus wenigstens öffentlich davon distanzieren."

Wampfler hält fest, dass er nicht primär einzelne Journalisten beschuldigt, "denn sicherlich hat die Story gut performt und die Chefs bestanden darauf, dass sie weiter gezogen wurde". Seiner Ansicht nach muss die "Blick"-Chefetage für die Berichterstattung gerade stehen. Ringier seinerseits verteidigt die Berichterstattung: Sie sei "hart aber fair", so Mediensprecher Edi Estermann gegenüber persoenlich.com. Von Chefredaktor Ralph Grosse-Bley war keine Stellungnahme zu bekommen. Er rechtfertigte die Berichterstattung aber in einem Kommentar auf blick.ch: "Wir lieben den Fussball und wir verachten Gewalt, in jeder Form", schreibt Grosse-Bley.

Der Journalist Benny Epstein will sein Verhalten nicht erklären. Auf direkte Anfrage von persoenlich.com lässt der 24-Jährige per Mail verlauten: "Ich äussere mich nicht zu dieser Sache. Bitte wenden Sie sich an die Kommunikationsstelle." (eh)