Wegen "Beleidigung des Islams" ist ein saudiarabischer Menschenrechtsaktivist und Blogger am Freitag öffentlich ausgepeitscht worden. Augenzeugen berichteten, Raef Badawi habe nach dem Freitagsgebet in der Nähe der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda 50 Peitschenhiebe erhalten.
Die Menge der Gläubigen habe schweigend zugeschaut. Der 2012 inhaftierte Badawi war im vergangenen November zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Er soll insgesamt 20 Mal je 50 Hiebe bekommen.
Der 30-Jährige ist Gründer der Internetseite Liberal Saudi Network und Träger des Preises Reporter ohne Grenzen 2014. Auf der Website kritisierte er vor allem die saudiarabische Religionspolizei. Im erzkonservativen Saudi-Arabien herrscht eine besonders strenge Auslegung des Islam, der Wahhabismus. Die
Religionspolizei setzt die Scharia mit harter Hand durch.
EU verurteilt Auspeitschung
Die EU hat die öffentliche Auspeitschung eines islamkritischen Bloggers in Saudi-Arabien verurteilt. "Die Prügelstrafe ist inakzeptabel und (steht) im Gegensatz zur Menschenwürde", teilte ein Sprecher der EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini am Freitagabend in Brüssel mit.
Saudi-Arabien solle eine Abschaffung von Auspeitschungen überdenken. Die Strafe verstosse unter anderem gegen die Anti-Folter-Konvention, die das Land
ratifiziert habe.
Reporter ohne Grenzen protestierte im Fall Badawi gegen eine "inhumane, völkerrechtswidrige Verurteilung" und startete eine Petition an König Abdullah. Darin wird der Monarch aufgefordert, Badawi zu begnadigen. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangt Badawis Freilassung. (sda)
Blogger wegen "Islam-Beleidigung" ausgepeitscht
Saudi-Arabien - Auf seiner Website kritisierte er vor allem die Religionspolizei.