Dass sich Zeitungen zunehmend gegen Konkurrenz aus dem Internet behaupten müssen, ist längst bekannt. Dass es den Wettbewerb zwischen neuen und alten Medien bei Tratsch-und-Klatsch-Nachrichten gibt, ebenfalls. Wie schlimm es um die sogenannte "Yellow Press" wirklich bestellt ist, überrascht aber doch. Dominic Mohan (vgl. Bild unten), Chefredaktor der britischen "The Sun", beschwerte sich vor einem Ausschuss des Parlaments über hinderliche Privatsphäre-Bestimmungen, die Printprodukte benachteiligen und den Untergang einer ganzen Produktgattung bedingen.
Weniger Freiheiten
Mohan gab in seiner Aussage am vergangenen Donnerstag zu Protokoll, dass der Schutz der Privatsphäre, den traditionelle Medien beachten müssen, ein Hauptgrund für den bevorstehenden Untergang der Klatschpresse ist. Blogs und Social-Media-Seiten, die solchen Auflagen nicht unterliegen, können dadurch über Skandale berichten, die für die eingesessenen Medien Tabu seien. Dadurch käme es zu einem Abfluss von Lesern und Werbegeldern in Richtung Internet. "Wir kämpfen mit sozialen Medien um Augenpaare", so der Chefredaktor.
Dass auch Prominente selber teilweise sehr freizügig mit privaten Informationen umgehen, hat Mohan nicht erwähnt. Der Yellow-Press bleibt oft nichts anderes übrig, als Privatfotos, die Prominente via Twitter oder anderen Kanälen gepostet haben, nachzudrucken. Die sozialen Medien geben Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, die Möglichkeit, sich selbst zu vermarkten. Die Rolle, die früher von den Medien wahrgenommen wurde, wird so teilweise obsolet. Dass ausgerechnet der Vertreter eines britischen Boulevardblattes die Restriktionen durch Privatsphärenbestimmungen beweint, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Richterliche Vorladung
Zeitgleich mit den Aussagen des Sun-Chefredaktors wurde bekannt, dass sowohl Mohan als auch James Harding, Chefredaktor der Boulevardzeitung "Times", von einem britischen Gericht vorgeladen werden, um im Zuge der Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Abhörskandal bei britischen Medien Aussagen zur Einhaltung von Pressestandards zu tätigen. Seit dem Bekanntwerden der unzulässigen Abhörvorgänge bei der Boulevardzeitung "News of the World" ist die britische Yellow Press im Allgemeinen in Verruf geraten. Auch bei anderen Publikationen wurden Journalisten des Knackens von Email-Accounts oder des Abhörens vertraulicher Gespräche bezichtigt. (pte)