Die "New York Times" will ihre kriselnde Tochter-Zeitung "The Boston Globe" nun doch nicht verkaufen. Der Verlag begründete seine Entscheidung am Mittwoch mit erfolgreichen Sanierungsmassnahmen, die die finanzielle Lage beim "Globe" deutlich verbessert hätten. Der "New York Times"-Verlag hatte für den "Globe" für 2009 einen Betriebsverlust von 85 Millionen Dollar prognostiziert. Die nun erreichten Einsparungen belaufen sich auf mindestens 38 Millionen Dollar, wie der Verlag mitteilte. Damit dürfte der "Globe" Ende Jahr immer noch einen beträchtlichen Fehlbetrag ausweisen.
Zu den Übernahmeangeboten, die laut Medienberichten für den "Globe" eingegangen waren, machte Verlagschef Arthur Sulzberger Junior keine Angaben. Unter den zwei Bietern soll eine Gruppe um Stephen Taylor gewesen sein, der den "Globe" 1993 für 1,1 Milliarden Dollar an die "New York Times" verkauft hatte. Nach einem "Globe"-Bericht hat das nun unterbreitete Rückkauf-Angebot etwa 35 Millionen Dollar betragen.
Wie viele andere Zeitungen in den USA und in Europa leidet auch der "Boston Globe" wegen der Wirtschaftkrise unter herben Rückgängen bei den Inseraten. Zudem untergräbt das Internet mit seinen weitgehend kostenfreien Inhalten immer mehr das Geschäftsmodell der klassischen Printmedien. (sda)