Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) von Bundesrat Pascal Couchepin hat eine Administrativuntersuchung über die Filmförderung des Bundes in Auftrag gegeben. Der Bericht eines unabhängigen Juristen soll Mitte Oktober vorliegen. Dem EDI sei von verschiedenen Seiten immer wieder Kritik an der Arbeit der "Sektion Film" im Bundesamt für Kultur (BAK), das zum Departement Couchepin gehört, zugetragen worden, sagte Jean-Marc Crevoisier, der Sprecher von Bundesrat Couchepin, am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Darum habe das EDI Anfang Juli einen vom Departement unabhängigen Juristen beauftragt, zu untersuchen, nach welchen Kriterien die "Sektion Film" die Subventionen für den Schweizer Film verteilt. Eine solche Untersuchung sei nichts Aussergewöhnliches, sagte Crevoisier, der zudem betonte, dass sie sich nicht gegen einzelne Personen im BAK richte, sondern Klarheit über das Funktionieren der Filmförderung schaffen solle. Der Filmkredit beträgt zur Zeit rund 35 Millionen Franken pro Jahr.
Die Kritik, die bereits seit dem letztjährigen Besuch von Bundesrat Couchepin am Filmfestival Locarno laut wurde, betreffe vor allem die "fehlende Transparenz" bei der Geldvergabe sowie die "zu grosse Bürokratie" bei der Filmförderung des Bundes, sagte der Pressesprecher weiter. Anlässlich des Filmfestivals Locarno war am Freitag in verschiedenen Schweizer Zeitungen vermutet worden, dass der Auslöser für die Untersuchung die Subvention von 500'000 Franken an den Spielfilm "Bienvenue en Suisse" der Westschweizerin Léa Frazer sein könnte.
In diesem im Mai am Filmfestival in Cannes vorgestellten Erstlingsfilm kommt ein Herr Couchepin vor, mit dessen Namen im Film sexuell konnotierte Anspielungen gemacht werden ("coucher" für "Sex haben", "pine" für "Penis"). Couchepin habe sich zwar über diese Anspielungen gewundert, sagte Crevoisier, aber den Ausschlag für die Untersuchung hätten sie nicht gegeben. Der Film "Bienvenue en Suisse", eine unbeholfene Komödie, hatte in Cannes fast nur schlechte Kritiken erhalten.