Breitseite gegen die Weltwoche

Melanie Winiger - Ex-Miss schämt sich auch für das Renommierblatt.

Ex-Miss Schweiz Melanie Winiger bedankt sich in einer schriftlichen Replik auf ihre Weise für die grosse redaktionelle Aufmerksamkeit, welche die Weltwoche ihr geschenkt hat, nachdem sie im Juli für eine grosszügigere Entwicklungshilfe aufgerufen hatte. Das Blatt hatte diesem Ereignis nämlich gleich drei Artikel gewidmet.

"Intelligente, blendend aussehende und gut bezahlte Herren schreiben in ihrer Zeitschrift drei Artikel mit demselben Inhalt über dasselbe Thema und dieselbe Person. Das ist wohl kaum sehr ökonomisch, hauptsächlich eine Verarschung der Leser, die CHF 5.70 pro Ausgabe bezahlen", konstatiert Winiger. Und setzt hinzu: "Shit -- nun muss ich mich auch noch für die gereiften Kerle der Weltwoche schämen."

Ausgangspunkt des offenen Schlagabtausches war ein im Blick publizierter, offener Brief, in dem Winiger bekannte, wie sehr sie sich für den Bundesrat schäme. Auf die Palme brachte die Schauspielerin der Umstand, dass sich die Schweiz nicht an ihr Versprechen hält, jährlich 0.7 Prozent des Volkseinkommens für Entwicklungshilfe einzusetzen. "Es braucht doch nur ein Minimum an Intelligenz, um zu sehen, dass die Probleme der armen Länder auch uns was angehen", erkannte Winiger.

Für die Weltwoche bot der Ausflug der Schönheit in die Politik eine höchst willkommene Zielscheibe in der themenarmen Sommerflaute. Gleich drei Autoren -- Markus Somm, Christoph Mörgeli und Peter Rothenbühler -- droschen in der Ausgabe vom 12. Juli mit Worten auf Winiger ein, wie der Medienspiegel in einer Kolumne unlängst bemerkte.

Stv.-Chefredaktor Somm sprach von "moralischer Erpressung", für Kolumnist Mörgeli zeigte das Engagement der "abgehalfterten Schauspielerin mit ihrem Aufmerksamkeitssyndrom" bloss, dass die Schweiz im humanitären Glamourbusiness bestenfalls in der Regionalliga dümpelt und Peter Rothenbühler attestierte Winiger nicht mehr als "ein Minimum an Intelligenz".

Soviel Häme wollte Winiger nicht auf sich sitzen lassen und schrieb umgehend eine Replik an die Weltwoche -- welche sie allerdings nie abschickte. Das ist schade. Denn Chefredaktor Roger Köppel beteuert, er hätte die Replik "sicher gebracht", zumal Winigers Zeilen durchaus lesenswert sind. Etwa wie sie gegen Mörgeli wettert und ihm vorwirft, selber unter einem Aufmerksamkeitssyndrom zu leiden.

Oder wie sie mit ihrem "alten Freund" Peter Rothenbühler abrechnet: Dass gerade er als einer der Grossväter des Deutschschweizer Boulevards in einem Magazin aussen rechts ihren Einsatz für eine gerechtere Welt kritisiere, passe einfach nicht. "Ist da noch was übriggeblieben aus unserer gemeinsamen Zusammenarbeit, als du mit mir bei der Schweizer Illustrierten zärtlich Homestories produziertest?", fragt sich Winiger und wirft dem Le Matin-Chefredaktor ein paar Zeilen weiter unten vor, frauenfeindlich zu sein. Missen, Schauspielerinnen -- generell Frauen -- dürften offenbar keine Meinung haben und schon gar nicht Intelligenz.

Melanie Winiger: Schämt sich nicht nur für den Bundesrat, sondern auch "für die gereiften Kerle der Weltwoche".