"Bruno Oetterli, wann verkaufen Sie?"

- Publigroupe-CEO Hans-Peter Rohner hat vor kurzem angekündigt, er erwäge einen Einstieg in die Radiovermarktung. Was bedeutet das für den Marktführer Radiotele? Zu welchem Preis ist ein Verkauf an "P" denkbar? Und welches sind die Alternativen? "persoenlich.com" hat mit Bruno Oetterli (Bild) gesprochen, dem Direktor von Radiotele. Das Interview:

Sie werden nun laufend auf einen möglichen Verkauf von Radiotele angesprochen. Ist das unangenehm?

Es ist nicht das erste Mal, dass solche Gerüchte kursieren. Wir machen einfach weiterhin unseren Job.

Hatten Sie seit der Ankündigung schon direkten Kontakt mit Herrn Rohner?

Natürlich sieht man sich immer mal wieder. Konkrete Verhandlungen finden aber keine statt.

Es gibt aber doch Gespräche?

Man muss die gesamte Gattung Radio betrachten, und da ist Radiotele nicht ganz unwichtig. Man schaut also mögliche Varianten an, damit das Radio als Ganzes weiterkommt. Abgesehen davon gab es neben der Publigroupe schon früher Interessenten, für welche eine Übernahme möglicherweise wieder aktuell wird. Wir führen aber auch da keine konkreten Verhandlungen.

Wer gehört sonst noch zum Interessentenkreis?

Sowohl Schweizer wie auch ausländische Unternehmen. Vor fünf Jahren war es beispielsweise Clear Channel. Man könnte sich heute auch die NRJ Groupe vorstellen. Die Schweiz ist generell ein interessanter Markt.

Ist NRJ schon auf Sie zugekommen?

Wir arbeiten sehr eng zusammen, vermarkten wir die Gruppe im Welschland doch exklusiv. Selbstverständlich werden da auch mal vage und unverbindlich Fragen gestellt.

Was würde es bedeuten, wenn die "P" eine eigene Radio-Vermarktung aufbauen würde?

Dann hätten wir einen zusätzlichen Marktpartner. Im Interesse der Gattung würden wir mit ihm nach gemeinsamen Lösungen suchen, wie wir das beispielsweise bereits mit IP Multimedia tun -- obwohl wir das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne haben. Es ist aber ebenso klar, dass wir primär für uns schauen müssen. Ich glaube jedenfalls trotz der Grösse der Publigroupe nicht, dass unsere bestehenden Netzwerke und Beziehungen von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen würden -- zumal wir für das Radio ein verlässlicher Partner sind. Ich gehe vielmehr davon aus, dass der Kundenmarkt noch nicht ausgeschöpft ist. Die fünf bis sechs Prozent Marktanteil für das Radio sind weiterhin unser Ziel.

Unter welchen Bedingungen wären Sie denn zu einem Verkauf bereit?

Das kann man nicht in einem Satz sagen. Es müsste jedenfalls eine Win-Win-Lösung entstehen. So bin ich beispielsweise noch nicht so alt, dass ich mir über einen möglichst schnellen Rückzug mit viel Freiheit, Ausspannen und Golfspiel Gedanken machen müsste. Ich habe noch nicht geplant, mich demnächst aus der Szene abzumelden, und das spielt sicher eine gewisse Rolle.

Wie entscheidend ist der Preis?

Sicher nicht unwesentlich. Letztlich hat man etwas aufgebaut, und wenn man sich allenfalls zurückzieht, möchte man doch einen Profit haben. Bezüglich Preisvorstellungen höre ich einiges, sind derzeit doch verschiedene Projekte auf dem Markt. Aber es geht nicht nur einfach um einen Kauf, sondern um eine strategische Entscheidung. Das müsste meiner Meinung nach berücksichtigt werden.

Wie meinen Sie das?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das ich allerdings nicht direkt mit Radiotele vergleichen möchte: Man hörte nach dem Verkauf der Belcom verschiedentlich, der Preis sei zu hoch gewesen. Ich bin da anderer Meinung. Tamedia hat einen strategischen Entscheid gefällt, und besitzt dadurch heute neben Print auch Radio und Fernsehen, und zwar bereinigt. Ohne diese Akquisition hätte Tamedia mit neuen Produkten gegen die bestehenden kämpfen müssen, was möglicherweise teurer gewesen wäre. -- Solche Überlegungen gilt es mitzuberücksichtigen. Ich bin mir in den Details aber noch nicht so im Klaren, dass ich bereits konkrete Aussagen machen könnte.

In welchem Zeitraum wäre eine grössere Veränderung aus Ihrer Perspektive fällig?

Ich stehe nicht unter Druck, denn ich muss ja nicht verkaufen -- zumal ich drei Söhne habe. Es könnte also auch in eine andere Richtung gehen. Wichtig ist, dass es der Radio-Branche gut geht. Wir stellen übrigens fest, dass da zur Zeit einiges geht und man weniger als Einzelkämpfer agiert.

Strategien sind häufig geheim. Welche Ziele verfolgte Hans-Peter Rohner mit seiner öffentlichen Ankündigung? Will er Druck erzeugen?

Das kann sein. Auf der anderen Seite gibt es ja auch eine Wettbewerbskommission, deren Reaktionen man vielleicht auf diese Weise sondieren wollte. Ich für meinen Teil kenne die Beweggründe von Herrn Rohner nicht, und es ist auch nicht an mir, sein Vorgehen zu beurteilen. Ich nehme die Ankündigung einfach zur Kenntnis.

Mit Überraschung?

Nein, das war ein zu erwartender Schritt. Nach Print und einem ersten Vorstoss in den elektronischen Bereich ist es mehr als logisch, dass die Publigroupe beim Radio vorwärts kommen will, um die drei Medien synergiemässig zu bearbeiten. Zudem besitzen inzwischen auch verschiedene Verleger Print, Radio und Fernsehen, was eine ähnliche Entwicklung für den grössten Vermittler sehr verständlich macht.

Wie steht es bezüglich solcher Synergien bei Radiotele? Welche Märkte könnten Sie sich als zusätzliche Betätigungsfelder vorstellen?

Wir heissen Radiotele und beschränken uns in erster Linie auf das Radio. Zudem machen wir beim Regionalfernsehen und bei Viva keinen schlechten Job. Wir setzen unser Knowhow im Interesse der elektronischen Medien ein. Ein vergleichbares Wissen im Print aufzubauen, wäre hingegen zu aufwändig -- obschon wir von Verlegern bereits entsprechende Anfragen erhalten haben.

Und wie steht es mit dem Internet?

Die Vermarktung von Viva beschränkt sich ja nicht nur aufs Fernsehen. Vielmehr bieten wir mit Teletext, Internet und Mobile-Services ganzheitliche Lösungen an. In diese Thematik schaffen wir uns weiter ein, und es könnte sein, dass sich zusätzliche Möglichkeiten ergeben.