"Star TV wird den Final des Fussball-WM-Games live übertragen können", teilte der Sender am Mittwoch Abend mit. "Missverständliche Meldung oder billiger PR-Gag?", konterte Sat.1 (Schweiz) am darauf folgenden Morgen. -- Ein kleines Marketing-Derby auf einem Nebenschauplatz in der Provinz.
Zuerst die Tatsachen: Star TV zeigt neu drei mal wöchentlich einen WM-Zusammenschnitt, und von den Halbfinalen gibt's eine Montage der Highlights. Und wenn sich am 30. Juni die ganze Fussballnation zum Finalspiel schart, wird der "Sender für Film, Lifestyle & Entertainment" live ein Konsolen-Fussballspiel präsentieren.
"Eine Weltpremiere!", jubelt Gregory Turkawka, der bei Star TV für Business Development/Marketing/Kommunikation verantwortlich ist. Noch nie sei ein reales Fussballspiel zeitgleich als Computer-Game übertragen worden. Die Qualität des vom offiziellen FIFA-Partner EA entwickelten Konsolenspiels sei beeindruckend: "Die gleichen Spieler, die gleichen Stadien, fast wie richtig", freut sich Turkawka.
Merke: Ein "Fussball-WM-Game" kann auch auf dem Computer gespielt und auf den heimischen Fernseher übertragen werden -- ein munteres Wortspiel von Schlaumeiern für Frühaufsteher. "Sie müssen unsere Meldung halt richtig lesen", flachst Turkawka gegenüber "persoenlich.com". Die Auflösung des drolligen Spässchens wollte er vor dem Finale bringen, eine Weiterführung der Game-Idee bei anderen Sportanlässen sei bereits geplant. "Man muss das mit Humor nehmen", findet der Star TV-Mann.
Genau das mag der Sender Sat.1, der in der Schweiz die exklusiven Senderechte für alle WM-Spiele besitzt, aber nicht. Star TV nutze die im Ausland bestehenden Unsicherheiten über TV-Rechte "zu einem irreführenden und unlauteren PR-Gag, der einzig darauf angelegt ist, die angeschriebenen Journalist/innen und die Werbekundschaft zu verunsichern", schreibt der Sender leicht moralinsauer in einer Medienmitteilung. Auch mache sich Star TV über die Schweizer Fernsehzuschauer und Fussball-Fans lustig.
Den "sehr geehrten Redaktorinnen und Redaktoren der Fach- und Tagesmedien" schlägt Sat.1 väterlich vor, die Star TV-Mitteilung zu ignorieren oder sie zu berichtigen -- was hiermit geschehen sei. Seinem Mitbewerber gratuliert der Sender ironisch zur "tollen Idee". Doch der Kontrahent fühlt sich als David: "Star TV als grosser Aussenseiter auf dem TV-Rasen hat die Favoriten geschlagen." Man habe einen überraschend steilen Flankenball übernehmen können und sofort ins Netz versenkt. Möglicherweise ins eigene.