"Bund" lebt weiter -- "Tagi" baut massiv ab

Tamedia - Insgesamt werden 79 Stellen gestrichen.

Nun hat die Zeitungskrise auch Tamedia eingeholt. Der "Tages-Anzeiger" organisiert seine Redak­tion neu, was zum Abbau von 57 Stellen führt. Trotz Sparkurs hält das Medienhaus am Berner Modell fest. "Der Bund" wird künftig in Zusammenarbeit mit dem "Tages-Anzeiger" weitergeführt. Begleitend werden der Verkauf gestärkt und verschiedene Kostensenkungsmassnahmen getroffen. Insgesamt werden beim "Bund" 22 Stellen abgebaut. Die Hintergründe:

Auf dem Schweizer Zeitungsmarkt setzt sich die Entlassungswelle weiter fort. Nachdem in den letzten Monaten verschiedene Medienhäuser zusammen fast 200 Stellen gestrichen haben, kommuniziert heute Tamedia eine Massenentlassung. Insgesamt 79 Stellen fallen dem Rotstift zum Opfer. Die Stellenstreichungen betreffen insbesondere die Redaktion.

'Der Bund' lebt weiter - seine Tage sind noch nicht gezählt

Trotz Sparkurs, hält Tamedia am Berner Modell fest. Espace Media führt die Berner Tages­zei­tung "Der Bund" weiter. Ab Herbst 2009 wird die Tageszeitung eng mit dem "Tages-Anzeiger" zusammen­arbei­ten. Ziel der Zusammenarbeit zwischen "Bund" und "Tages-Anzeiger" sei es, der anspruchs­­vollen Leser­schaft der beiden Titel einen gemeinsam erarbeiteten Mantel mit einer ausgebau­ten Berichterstattung über nationale und inter­nationale Politik, Kultur, Sport und Wirt­schaft anzubieten, wie Tamedia schreibt. Das Berner Modell mit zwei publizistisch unab­hängigen Tages­zeitungen in einem Verlag wird damit fortgesetzt.

Die Zusammenarbeit zwischen "Bund" und "Tages-Anzeiger" soll beide Titel stärken. "Der Bund" wird die gemeinsame Bundes­hausredaktion in Bern verantworten und dem "Tages-Anzeiger" ausgewählte Wirtschafts-, Kultur- und Spezialseiten zur Verfügung stellen. Im Gegenzug bezieht "Der Bund" überregionale Inhalte vom "Tages-Anzeiger". Geplant sind vier Zeitungsbünde in einer neuen Gestaltung. Der erste Bund umfasst die In- und Ausland­berichter­stattung, der zweite Bund Wirtschaftsthemen sowie den neu gemeinsam mit dem "Tages-Anzeiger" erstellten Sportteil.

Die Stadt und der Kanton Bern stehen im Mittelpunkt des dritten Bundes. Die bisherige Wochenend­beilage "Der kleine Bund" er­scheint neu täglich als vierter Zeitungsbund und widmet sich unter anderem den Themen Kultur, Gesellschaft und Wissen. Chef­redaktor des Bund bleibt der 56-jährige Artur K. Vogel, der die Tageszeitung bereits seit 2007 führt und massgeblich an der Erarbeitung des neuen Konzepts beteiligt war.

'Bund'-Redaktion neu mit 35 statt 54 Stellen

Durch die Zusam­men­­arbeit mit dem "Tages-Anzeiger" sollen die bisherigen Verluste reduziert und mittel­fristig ausge­glichene Ergeb­nisse erreicht werden. Um die wirtschaftlichen Perspekti­ven des "Bund" weiter zu verbessern, wird die Abonnementsgebühr mittelfristig erhöht. Gleichzeitig wird Espace Media Verhandlungen zur künftigen Unterstützung des "Bund" mit den­jenigen Institutionen und Unternehmen aufnehmen, deren Vertreter sich im Komitee "Rettet den Bund" für den Erhalt der Tageszeitung eingesetzt haben.

Die Redaktion des Bund wird neu 35 statt wie bisher 54 Vollzeitstellen umfassen. Ins­gesamt werden 19 Vollzeitstellen abgebaut. Ein Teil des Stellenabbaus soll über ordent­liche und frühzeitige Pensionierun­gen realisiert werden. Die vom Abbau betroffe­nen festangestellten und freien Mitarbeitenden des "Bund" sowie weiterer Bereiche von Espace Media sollen mit einem angemessenen Sozialplan unter­stützt werden. Verhan­dlungen mit der Personal­kommi­ssion des Bund, Vertretern der Mitarbeitenden der anderen Bereiche von Espace Media sowie den Gewerkschaften werden in den näch­sten Tagen aufgenommen und sollen rasch abgeschlossen werden.

'Tagi'-Redaktion schrumpft massiv

Der "Tages-Anzeiger" organisiert seine Redaktion neu und baut rund 50 Voll­zeit­stellen in der Redaktion ab. Ein Teil des Stellenabbaus soll über frühzeitige Pensio­nierun­gen realisiert werden. Ebenfalls an die tieferen Werbeerträge angepasst werden die Honorar­budgets. Der Abbau, der alle Ressorts betrifft, ist Teil eines umfassen­den Neukonzeptes, das durch die Einführung einer Vier-Bund-Zeitung auch Ein­spa­rungen im Druck und in der Distribution vorsieht. Alle regionalen Infor­mationen werden in einem Zeitungsbund zusammengeführt und die Regionalisier­ung des "Tages-Anzeigers" damit gestärkt.

Der Auftritt der grössten abon­nierten Tageszeitung der Schweiz soll mit einer neuen Gestaltung ab Herbst 2009 hochwertiger und die Leserführung stark verbessert werden. Der "Tages-Anzeiger" reagiert mit diesen Mass­nahmen auf die strukturelle Ver­lagerung der Werbe­ausgaben sowie den Einbruch der Werbeeinnahmen in den letzten Monaten. Durch die Zusammenarbeit mit dem "Bund", der überregionale Inhalte vom "Tages-Anzeiger" beziehen wird, kann der Umfang des Stellenabbaus leicht reduziert werden.

Das neue Konzept mit vier Zeitungsbünden führt im Zeitungsdruck zu einem Abbau von weiteren 7 Vollzeit­stellen, der weitgehend über Frühpensionierun­gen realisiert werden kann. Die betroffen­en fest­angestellten und freien Mitarbeitenden des "Tages-Anzeigers" und des Druckzentrums sollen mit einem angemessenen Sozialplan unterstützt wer­den. Gespräche mit der Personalkommi­ssion des "Tages-Anzeigers" sind bereits im Gange. Die Verhandlungen sollen in den nächsten Tagen unter Beizug der Betriebskommission des Druckzentrums sowie der Gewerkschaften fortge­führt und rasch abgeschlossen werden.

Newsroom soll Medienverbund stärken

Gemeinsam mit der Newsplattform tagesanzeiger.ch und der Pendlerzeitung "News" will der "Tages-Anzeiger" die Möglichkeiten eines umfassenden Medienver­bundes in Zukunft gezielter ausschöpfen. Die Redaktionen des Newsnetz und der Pendler­zeitung "News" ziehen deshalb im August 2009 in einen gemeinsamen Newsroom, der direkt mit dem Redaktionsschiff des "Tages-Anzeigers" verbunden wird ("persoenlich.com" berichtete).

Im Verlauf des zweiten Halbjahres 2009 werden die weiterhin eigenständigen Redaktionen von Newsnetz und "News" ihre Zusammenarbeit schrittweise aus­bauen. Geplant ist die Übernahme von Inhalten des Newsnetz in die Pendlerzeitung sowie eine enge Zusammenarbeit der beiden Redaktionen mit dem "Tages-Anzeiger" im Bereich der Grundversorgung mit Nachrichtenmeldungen. Die Zusammenarbeit führt bis Ende 2009 schrittweise zu einem leichten Abbau der Redaktion, der voraussichtlich ohne Kündigungen realisiert werden kann.

Die gemeinsame Bear­bei­tung von Nachrichtenmeldungen soll es allen drei Redaktionen ermöglichen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Insgesamt werden die Redaktionen des Medien­­­verbundes in Zukunft rund 235 Vollzeitstellen um­fassen. Mit 177 Vollzeitstellen wird der "Tages-Anzeiger" laut Tamedia auch weiterhin über die grösste Regionalzeitungs­redaktion der Schweiz verfügen.