Die Schweizerische Depeschenagentur sda muss um ihre Finanzierung fürchten. Wie das Schweizer Medienmagazin Klartext in der aktuellen Ausgabe berichtet, hat die Bundeskanzlei ihren Vertrag mit der sda in Höhe von knapp 3 Millionen Franken pro Jahr auf Ende 2007 gekündigt. Gleichzeitig schreibe die Nachrichtenagentur mit dem Dienst für die Romandie und das Tessin rote Zahlen.
Fast alle Schweizer Medien haben den Dienst der sda abonniert. Dabei gilt das Prinzip: Wer mehr Leser bzw. Zuschauer hat, bezahlt mehr. Da aber die Auflagen sinken würden, sinken auch die Einnahmen. In der Romandie und im Tessin sei der Dienst aufgrund der niedrigen Auflagen seit jeher ein Verlustgeschäft. Dieses Strukturproblem bedrohe die sda samt ihrer 220 Mitarbeiter, analysiert Klartext.
Eigentümer sind Kunden
Die Agentur wurde als nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft von den Schweizer Verlagshäusern aufgebaut. Die Eigentümer sind demnach auch die Kunden. Wenn also die Verleger als Eigentümer einer Tariferhöhung zustimmen würden, müssten die Verleger als Kunden mehr bezahlen. Es komme sogar vor das Eigentümer als Kunden abspringen, so geschehen 2005, als Blick und SonntagsBlick ihre Abos gekündigt hatten.
Der Nachrichtendienst ist aber auch vom Bund mitfinanziert. Die Bundeskanzlei berappe jährlich 2.9 Millionen Franken. Damit werden Dienstleistungen wie der Basis-Newsdienst, der in alle Bundesämter geliefert wird, oder der Zugriff auf das Archiv abgegolten. Dazu zahlt der Bund 800'000 Franken für die Übersetzung von Artikeln auf italienisch.
Bundeskanzlei löst Vertrag auf
Nun hat die Bundeskanzlei ihren Vertrag mit der sda auf Ende Jahr gekündigt. Man wolle keinen billigeren Vertrag, sondern einen transparent ausgewiesenen, so Hansruedi Moser, Informationschef der Bundeskanzlei, gegenüber Klartext. Es müsse klar ersichtlich sein, was einerseits Dienstleistungen der sda seien, und andererseits, ihr sprachregionaler und sprachkultureller Service-public-Auftrag sei.
Eine von verschiedenen Optionen sei, dass der Service-public-Auftrag künftig von einem anderen Amt, etwa vom Bundesamt für Kultur übernommen werde, da der Sprachenartikel der Eidgenossenschaft die Erhaltung der Landeskulturen zum Ziel hat. Ob diese Möglichkeit zustande kommt, sei derzeit noch offen.
Die Mitarbeiter der sda haben nun Angst, es könnte alles auf einen Stellenabbau hinauslaufen, zumal die sda-Führung nach der Vertragskündigung mit einem Abbau von Leistungen gedroht habe, vor allem bei den defizitären Westschweizer und Tessiner Diensten. Auch sei das Vertrauen in die Führungsqualitäten der Direktion gering.