Bundespräsident Ueli Maurer äusserte am Sonntag in der "Schweiz am Sonntag" massive Vorwürfe gegenüber dem Nachrichtenmagazin "10vor10" des Schweizer Fernsehens (persoenlich.com berichtete). Er liess sich in einem Interview mit folgender Aussage zitieren: "Diese Woche führte 10vor10 ein fünfminütiges Interview mit mir zur Uno. Letztlich brachten sie dann in der Sendung eine Gegenüberstellung einiger Aussagen mit früheren Aussagen von mir. Es hätte zur Fairness gehört, mir zu sagen, was die Absicht ist."
Kein Interview in 10vor10
Beim Schweizer Radio und Fernsehen löste die bundesrätliche Kritik Irritation aus. Wie persoenlich.com weiss, recherchierten die Verantwortlichen im Archiv und suchten nach dem von Maurer kritisierten Beitrag, ohne jedoch fündig zu werden. "10vor10 hat in besagter Woche kein Interview mit Bundespräsident Ueli Maurer geführt", erklärt TV-Chefredaktor Diego Yanez auf Anfrage von persoenlich.com. Es sei lediglich ein Statement von 18 Sekunden aus der aktuellen Pressekonferenz ausgestrahlt worden. 10vor10 sieht daher überhaupt keinen Anlass zu Kritik. "Es gab beim Nachrichtenmagazin schlicht keinen Bericht mit einer Gegenüberstellung von Aussagen des Bundesrates mit früheren Aussagen – folglich konnte 10vor10 den Bundespräsidenten auch nicht über irgendeine Absicht informieren", so Yanez.
Zwar nicht bei 10vor10, sondern in der Tagesschau ist SRF dafür ein Beitrag aufgefallen, den Bundespräsident Maurer in seiner Kritik gemeint haben könnte. "In der Tagesschau-Hauptausgabe vom Dienstag, 24. September 2013 über die bevorstehende Ansprache Ueli Maurers vor der UNO-Generalversammlung berichtet", so Yanez gegenüber persoenlich.com.
Da Ueli Maurer einst ein vehementer Kritiker des Uno-Beitritts der Schweiz war, ist es laut TV-Direktor Yanez gerechtfertigt, die damaligen und heutigen Aussagen Maurers zu thematisieren. Im Interview – das im Anschluss an eine Pressekonferenz des Bundespräsidenten in New York geführt worden sei – habe die Tagesschau Ueli Maurer mit seiner damaligen Haltung als SVP-Präsident konfrontiert, worauf der Bundespräsident sein Rollenverständnis als Bundespräsident darlegte.
Mit der Tagesschau verwechselt
Nach den Schilderungen seitens SRF liegt der Schluss nahe, der Bundesratspräsident könnte im Interview mit der "Schweiz am Sonntag" einen Beitrag der Tagesschau kritisiert haben, während er irrtümlich davon ausgegangen ist, es handle sich dabei um einen 10vor10-Beitrag. Maurer spricht demnach von einem 10vor10-Beitrag, den es nie gegeben habe und der laut SRF auch nie geplant gewesen sei.
Dass Bundespräsident Maurer mit diesem Einzelfall seine Kritik am Nachrichtenmagazin 10vor10 begründet, erscheint deshalb besonders unglücklich, weil er im gleichen Interview explizit die Tagesschau für ihre Seriosität lobt. (eh)
Text: Edith Hollenstein, Bild: Keystone