"Radio 105 goes Zurich". Kommt Ihr Sender von Basel in die Limmatmetropole, weil Sie sich damit mehr Chancen auf die Konzession für das neue Zürcher Jugendradio ausrechnen?
Der Umzug unseres Firmensitzes hat nicht primär mit der Bewerbung um die Zürcher Jugendradio-Frequenz zu tun. Er war schon längst überfällig. Abgesehen davon fühle ich mich in Zürich sehr wohl.
Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen für die Erteilung der Konzession heute ein, nachdem Ihre Beschwerde beim Bundesrat gutgeheissen wurde?
Die Chancen standen eigentlich schon immer gut. Wir haben das beste Gesuch eingereicht, das auch von der Stadt- und Kantonsregierung unterstützt wurde. Auch die meisten Werbe- und Branchenverbände machten sich für unser Gesuch stark. Nur Moritz Leuenberger wollte davon nichts wissen.
Das mag sein. Doch könnte es sich für Sie nicht nachteilig auswirken, dass Sie nach der Konzessionserteilung an DJ Radio Bundesrat Leuenbergers Rücktritt forderten?
Der Konzessionsentscheid war unfair und rechtlich unzulässig. Das hat nun auch der Gesamtbundesrat bestätigt. Ich habe immer wieder öffentlich die SRG-lastige Medienpolitik von Moritz Leuenberger kritisiert. Offenbar hat man mir das beim Konzessionsentscheid in Zürich zur Last gelegt. Es ist ja nichts Neues, dass Herr Leuenberber im eigenen Land mit Kritik nicht so gut umgehen kann, währenddessen er in Tunesien Vorträge über die Meinungsfreiheit abhält. Interessant ist ja, dass heute nicht mehr ich den Rücktritt von Leuenberger fordere, sondern die renomiertesten Zeitungen der Schweiz.
Trotz grössten Anstrengungen ist es Ihnen bisher nicht gelungen, ein UKW-Radio zu lancieren. Wie sehr frustriert Sie dies?
Es gab eine Zeit, da waren wir sehr frustriert. In jedem anderen Land der Welt wären wir mit unserem Programm schon lange auf UKW. Meine Partner in Italien betreiben zum Beispiel zwei nationale Radiosender und sind nun daran, einen dritten Sender aufzubauen. Der Radiomarkt entwickelt sich dort prächtig. Leute, die in den Radiomarkt investieren, werden dort belohnt. In der Schweiz steht hingegen alles still. Jeder verteidigt seinen Garten und verhindert Innovationen am Markt. Und mit Bundesrat Leuenberger haben wir leider einen Medienminsiter, der nur ein Ohr für die SRG hat. Die neuen Technologien werden es indes richten. Früher oder später wird die Verbreitung gegeben sein -- für alle.
Können Ihre Sender heute finanziell überleben -- auch wenn Sie keine UKW-Konzession erhalten?
Klar. Das war auch bis heute schon so. Trotzdem würde wir gerne gleich lange Spiesse mit den anderen Bewerbern haben. Es ist nicht einzusehen, weshalb uns eine UKW-Frequenz verweigert wird.
Wie finanzieren Sie eigentlich Radio 105 und Radio Monte Carlo?
Wie sich jedes Privatradio auch finanziert: Mit Sponsoring- und Werbegeldern.
Mit dem Unterschied, dass Ihre Sender bloss über Kabel und Internet zu hören sind. Können sie genügend Werbegelder generieren, um ein mit UKW-Stationen vergleichbares Radio zu machen?
Wir haben die letzten Jahre bewiesen dass wir das können. Die grössten Radioprofis der Schweiz arbeiten (oder arbeiteten) bei uns: Gabriel Felder, Sven Epiney, Grant Benson, Steffi Thierstein, Gustavo Pelaez, Tami Viola, DJ Tatana und viele mehr.
Wo sieht der Radiopionier Giuseppe Scaglione die Zukunft des Radios in der Schweiz: Bei DAB oder einer anderen Technologie?
Ob DAB sich durchsetzen wird, ist völlig ungewiss. Bisher ist DAB überall ein Flop. Ich frage mich auch, wer -- ausser dem BAKOM --ernsthaft ein Interesse an DAB haben kann. Die Hörer sind es ja offenbar nicht, sonst wären schon deutlich mehr Geräte verkauft worden. Ich hoffe jedenfalls, dass sich eine Technologie durchsetzen wird, die genügend Kapazitäten mitbringt, damit alle Bedürfnisse abgedeckt werden können. Eines wird sich mit den neuen Technologien ohnehin ändern: Wir werden endlich einen Wettbewerb der Inhalte sehen. Dieser fehlt bis heute, da praktisch jeder in seinem Gebiet vor allzu grosser Konkurrenz geschützt ist.
Abschlussfrage: Sie kämpfen schon seit längerem gegen die Mühlen der Bürokratie an. Sehen Sie sich als Roger Schawinski der jüngeren Radiogeneration?
Das weiss ich nicht. Er hat viel bewegt. Wir bewegen auch viel. Vielleicht ist das eine Gemeinsamkeit. Heute muss man aber nicht mehr auf die Strasse, um eine Radio-Revolution auszulösen. Diese findet leise und Tag für Tag statt, z.B. im Internet. Für uns, als kleines Unternehmen, ist das vielmehr eine Chance als eine Gefahr.