In der Abhöraffäre um das britische Skandalblatt "News of the World" ist der frühere Mediensprecher des britischen Premiers David Cameron, Andy Coulson, am Donnerstag vor Gericht erschienen. Er musste zunächst lediglich seine Personalien bestätigen. Auch sechs weitere ehemalige Mitarbeiter des Boulevardblattes kamen zu einer kurzen Anhörung in den Westminster Magistrates Court. Ein neuer Termin wurde für den 26. September vor einer höheren Instanz angesetzt.
Neben Coulson, ehedem Chefredaktor der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung von Medienzar Rupert Murdoch, waren der Ex-Redaktionsleiter Stuart Kuttner, der ehemalige Redaktor Greg Miskiw, Ex-Nachrichtenchef Ian Edmonson, der früheren Chefreporter Neville Thurlbeck sowie der Reporter James Weatherup und der Privatdetektiv Glenn Mulcaire geladen. Insgesamt wurde gegen acht Verdächtige in der Affäre Anklage erhoben. Coulsons Vorgängerin in der Chefredaktion, die langjährige Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks, soll am 3. September angehört werden. Die Angeklagten sind gegen Zahlung von Kautionen Kaution und Auflagen weiterhin auf freiem Fuss.
Während der Zeit von Brooks und Coulson als Chefredaktoren der Zeitung sollen Journalisten des Blatts die Telefone zahlreicher Prominenter und Politiker abgehört und Polizisten bestochen haben. Zudem seien auch Handy-Mailboxen von Angehörigen getöteter Soldaten und eines entführten Mädchens geknackt worden sein, heisst es. (sda/dpa)
Die Zahl der Abhöropfer der Boulevardzeitung soll bei etwa 600 liegen. Der heute 44-jährige Coulson war in den Jahren 2003 bis 2007 Chefredaktor der "News of the World", die ebenso alte Brooks in den Jahren 2000 bis 2003. Coulson legte seien Posten nieder, nachdem die Abhöraffäre im Jahr 2007 ans Licht gekommen war. Später wurde er zunächst Kommunikationsberater Camerons in dessen konservativer Partei und später Sprecher des Premierministers. Dieses Amt legte Coulson im Januar 2011 im Zusammenhang mit dem Abhörskandal nieder. (sda/dpa)