Herr Glogger, mit Spannung wird die Hochzeit von Kate Middleton und Prinz William erwartet. Wie stehen Sie als Royal-Experte zum jungen Brautpaar?
Dem Zauber der Liebe konnte ich mich nie entziehen. Privat wie beruflich. So jung sind die beiden auch nicht. Catherine Elizabeth Middleton verwirklicht den Traum, dass aus einem Landei aus Bucklebury in West-Birkshire tatsächlich eine echte Prinzessin werden kann. Und sollte der exzentrische Esoteriker Charles noch vor seiner Mutter Elizabeth II. den güldenen Löffel abgeben, was bei den kerngesunden Genen der Queen nicht ausgeschlossen ist dann, und nur dann, wird Catherine Königin.
Wie stehen die Briten zur Adelsfamilie?
Glauben Sie den telegenen Sitz-SF-Redaktoren im Leutschenbach und ihren im vorauseilenden Gehorsam berichtenden Korrespondenten nicht: Die Briten lieben die Tradition, dazu gehört seit über 1000 Jahren ein König, eine Königin. Ob das nun Deppen, Säufer oder Debile, Syphilitiker oder Alkoholiker waren England und die Monarchie haben's überlebt. Und: England hat Nazi-Deutschland im 2. Weltkrieg besiegt!
Wie sehen Sie die britische Monarchie?
Wie ein Metronom, das gleichmässig tickt. Für unmusikalische kleine Geiger ebenso wie für Nigel Kennedy. Ach ja. Das royale Geschirr liefert Wedgewood - nicht die chinesische Variante Wedgwood. Die es fertigbrachte, Tausende von Tellern zu produzieren: mit Prinz Harry als Bräutigam statt Prinz William.
Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Berichterstattung? Seit Wochen laufen sich die Medien für das Event warm.
Fassungslos! Da wird Kate bereits als künftige Königin tituliert Blödsinn! Brautvater Charles ist Thronfolger Nr. 1. Die nächste Königin heisst Camilla, The Rottweiler. Geheiratet wird in Westminister Abbey, nicht in St Paul's Cathedral. Kates Vater war nie Pilot er heisst Michael nicht Peter Middleton. Seine Frau ist Ex-British-Airways-Stewardess Carole Elizabeth Middleton, geborene Goldsmith. Aber: Carole ist weder verwandt noch verschwägert mit Sir James Goldsmith, dem Finanz-Tycoon, erzkonservativer EU- und Atomkraftgegner, dem 1997 an Krebs gestorbenen Pressebaron. Der Frage, ob Sir James Goldsmith der wahre Vater von Prinzessin Diana ist gezeugt mit der höchst abenteuerlustigen Frances, der Mutter von Diana gehe ich in meinem neuen Buch "Drei Hochzeiten und ein Todesfall" nach.
Welche Art von Geschichten haben Sie bis jetzt vermisst?
Sagen wir es so: Weltweit hat keiner mehr Formel-1-Rennen als Reporter beobachtet wie mein BLICK-Freund Roger Benoit. Es sind jetzt Roger, Du weisst es eh besser! über 500. Ich bilde mir nicht ein, alles zu wissen. Mit den grossen britischen Hofberichterstattern bin ich journalistisch ausgewachsen. Mich interessiert das hartfasrige Klopapier der Windsors, ihr Geiz (Wäscheklammern zu Weihnachten) , ihre in Irrenhäuser versteckten, offiziell längst für tot erklärten Cousinen, die sagenhafte Dekadenz des "Bordellkönigs" Bertie. Oder die medial einmalige Leistung von Queen-Gatte Philipp zusammen mit seinem Freund Bernhard der Niederlanden monatelang in Afrika abzutauchen. Natürlich für edle Zwecke wie den Wild Life Fund. Komischerweise, waren da immer Girls, die keine Ladys waren, dabei. Da habe ich mich wie ein Corgi der Queen in die Weichteile der Monarchie verbissen.
Haben solche Adelshochzeiten nach wie vor einen so grossen Stellenwert für die Medien wie früher?
Die Medien haben sich verändert. Als King George V. am 20. Januar 1936 starb angeblich beschleunigte sein Leibarzt das Ableben des schwer Krebskranken mit Morphium wurde sein Tod zeitlich so "inszeniert", dass nur die seriöse "Times" als erste Zeitung den Tod vermelden konnte. Und nicht die damals allerdings höchst respektablen Boulevardblätter.
Das Ereignis scheint vor allem Frauen zu interessieren. Kann man mit Wissen über die royale Familie als Mann bei Frauen noch punkten?
Null Ahnung. Weiss nur: Ich habe eine Schweizer Expertin, die jede Zeile von mir gegenliest. Eine der besten Kennerinnen des britischen Königshaus. Andererseits bin ich erstaunt, wenn mich junge Kolleginnen fragen: War Diana eine Borderline-Persönlichkeit. Wurde sie nicht doch ermordet?
Man hat das Gefühl, dass vor der Hochzeit keine Details nach Aussen dringen. Warum schotten sich die Royals so ab? War das schon immer so?
Catherine und Williams heiraten für die Weltöffentlichkeit. Ende April 2011. Mitten in Englands Wirtschaftskrise. Von ihrem Spin-Doktor Baron Peter Mandelson genau getimt, getrimmt. Die Hochzeit ist der Auftakt für einen Briten-Hype: 2012 finden in London vom 27. Juli bis 12. August die Olympischen Sommerspiele statt. Nebenbei: Nach 88 Jahren erstmals wieder mit Mixed-Tennis-Doppel. Könnten ja Roger und Mirka Federer spielen?
Wie stehen die Royals zu den Medien?
Das britische Königshaus hatte früher direkten Kontakt zu den grossen Pressezaren wie den genialen Lord Beaverbrook. Medien-Tycoon Rupert Murdoch ist zu alt. Seine chinesische Ehefrau zu jung. Die Royals haben heute wie das britische Wetter soviele wechselnde Chefredaktoren, dass sie keine verlässlich-konstanten Medienpartner haben. Ganz wichtig! Plauder-Egozentriker Piers Morgan war moralfreier Chefredaktor von The Daily World and News of the World. Er traf Queen-Schwester Princess Margaret, Countess of Snowdon, zum Mittagessen. Off-Line. Kein Wort geht nach draussen. Morgan beschieb maliziös wie die Queen-Schwester statt zu essen soff, ihre Zigarettenasche auf den Boden im Kensington Palace abstreifte. Piers Morgan ist heute Nachfolger von CNN-Star Larry King. Und? Er hat keine Quote. Das Leben ist doch gerecht.
Inwiefern berichten die heutigen Medien anders als beispielsweise Prinz Charles Diana heiratete?
Sie berichten heute trotz Multitasking, Audio & Video Interactive Apps via Online Module, 24-Stunden- Internetpräsenz wissensfreier. Copy & Paste ist vielleicht doch nicht die journalistische Berufsformel der Zukunft. Kein Vorwurf! Das Leben findet einfach draussen satt. Ich hatte noch die Chance, mich mit einem Fotograf monatelang auf der Insel rumzutreiben. Um das letzte königliche Anwesen in Wort und Bild zu besuchen. Auch Charles zu interviewen: Mal wegen seines Kinderbuches "The Old Man von Lochnagar", mal wegen seines ökologischen Projektdorfes. Kein Verleger würde diese Fahrten Richtung Blaues Blut heute mit den Worten anschieben: "Will nix hören, nur was sehen!" Heute? Es brüllt der Ochs, es furzt die Kuh, der Esel spielt den Bass dazu.
Inwiefern kann der Buckingham-Palast Image und Berichterstattung der Royals beeinflussen? Stichwort Onlinemedien.
Weder Prinz Philipp noch die Queen können einen Computer auch nur aufstarten. Charles und ein Laptop? Das ist, als würde Adam aus dem Paradies sich mit Bill Gates, aus der High-Tech-Welt auf dem Zauberschloss Hogwarts auf Zauberbesen zu Quidditch duellieren. Mit Harry Potter als Schiedsrichter.
Wo findet das Spiel der Medien dann statt?
The Battle of the Babes, wie es heisst, wird hinter den Kulissen ausgetragen. Die alten PR-Berater haben Charles, besonders aber Camilla in unsäglich-peinliche Rollen gebracht. Catherine und William sind klug genug, sich aus den medialen Fesseln vom devot-dümmlichen Pressezirkus zu befreien. Zumal Camilla, als grösste Hypothek im royalen Zirkus, selbst bei den allgemein fröhlich gestimmten Medien keinen Pferdefuss gut machen kann.
Derzeit gehören Kate und William die Schlagzeilen. Dabei gibt es in Monaco bald auch eine royale Hochzeit. Geht die in den Medien nicht etwas unter?
Sorry. Diese beiden Hochzeiten zu vergleichen ist in etwa FC Barcelona-Star Lionel Messi als Fussballer mit sagen wir mal Alt-Star Fritz Künzli zu vergleichen. Oder Real Madrid-Trainer José Mourinho mit Ex-FC Luzern-Übungsleiter Ciriaco Sforza. Beide tragen Massanzüge. Nur eben? In Luzern wohnte Stéphanie von Monaco auf dem Parkplatz, um den seltsam verjüngten Circus-Direktor Franco Knie beizuwohnen. Die Schwester von Albert von Monaco. Der als rundlich gewordener Operetten-Fürst die südafrikanische Rückenschwimmerin Charlene Wittstock ehelicht. Windsor und Grimaldi. Das ist wie FC Barcelona und FC Wiedikon. Ich mag beide.
Interview: Christian Lüscher